Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 1-2 (Oktober 1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- Seite 20 (sequence 22)
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20 heit, oder ist es der Begriff ״Menschheit“? Und wenn die Frage in diesem Sinne bejaht wird, ist hier Menschheit als Masse gedacht, deren Dasein — um eine Terminologie von Karl Jaspers1 anzuwenden — einfach als Massenversorgung in rationaler Produktion auf Grund technischer Erfindungen defi niert wird? Gedanken mit radikalster Tendenz, wie sie Heller in seinem Buche ״Untergang des Judentums“ niedergelegt hat, waren im Jahre 1923 noch nicht geboren, zum mindesten nicht zum Ausdruck gebracht. Aber man wußte doch schon, daß im Sinne materialistischer Weltanschauung das Judentum eine Erscheinungsform materieller Existenz darstelle, an die man Maßstäbe neu entdeckter und neu gewonnener soziologischer Wertbegriffe besonders leicht legen konnte. III. Es gibt keinen jüdischen Jugendbund, in dem so intensiv um solche Frage gerungen wurde, und es gibt keine Gemeinschaft, die so viel Menschen nach Moskau hin hat opfern müssen!wie der J. J. W. B. Es ist eine ungeheure Tragik in der Geschichte!dieses Bundes, daß eigentlich bis in unsere Tage hinein er einem dauernden Auseinandersetzungsprozeß mit dem Kommunismus unterworfen ist, dem unzählige junge Menschen zum Opfer gefallen sind. Der Zionismus war für den J. J. W. B. seit 1923 nicht mehr ein Problem, in keiner Weise ernsthaft umstritten, aber der Sozialismus;mußte noch erkämpft werden. Der politische Zionisjmus!hatte sein Ziel insofern erreicht, als er jungen Mensehen praktische Betätigung in der Hachscharah oder gar schon in Palästina ermöglichte. Anders war es mit dem Sozialismus. Eine sozialistische Gemeinschaft gab es nur in Rußland, deren Struktur jedoch vom Judentum — einerlei in welcher Form man es verstand — fortführte. Sollte man sich der deutschen Mehrheits-Sozialdemokratie!anschließen, die man als eine verkappte kleinbürgerliche Bewegung empfand? Die Alternative hieß jüdisch-national oder sozialistisch; die verschwindend kleine Gruppe der Orthodoxen spielte im Bundesleben gar keine Rolle und stillte den Schlag ihres strenggläubigen Gewissens durch eine ziemlich umfangreiche Kor- י Karl Jaspers: Die geistige Situation der Zeit. Verlag Walter de Gruyter u. Co., 1931, Sammlung Göschen Bd. 1000.