Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 1-2 (Oktober 1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- Seite 18 (sequence 20)
- Belongs to
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18 gendpflege betreibenden Organisation zur selbständigen Jugendbewegung wurde oft versucht, mißlang jedoch' stets angesichts der geschickten Verhandlungspraktiken, die von den älteren Verbandsmitgliedern auf den verschiedenen Tagungen gehandhabt wurden. Verfolgt man aufmerksam die Veröffentlichungen dieses Verbandes neutraler jüdischer Jugendvereine, so spürt man zunächst in Sprache und Diktion eine Wandlung; Begriffe und Formulierungen tauchen auf, deren Herkunft unschwer zu diagnostizieren ist, aber man weiß nicht genau zu unterscheiden, ob dieser ״Wandervogeljargon“ angelernt, nachempfunden oder Ausdruck einer veränderten inneren geistigen Haltung ist. Auf dem Bundestag des Jahres 1920 kommt die Idee der Jugendbewegung zum ersten Male zum Durchbruch. Besonders den Jüngeren im Bunde genügt nicht mehr die neutrale Zielsetzung eines jüdisch-wissenschäftüch-geselligen Vereins, nicht mehr das Unberührtsein von gesellschaftlichen Problemen. Das war die Zeit, wo durch Männer wie Eisner, Landauer, Toller und Mühsam der Sozialismus große Wellen in der deutschen Judenheit schlug, wo Balfour-Deklaration und San Remo auch in Deutschland ihre begeisternden Wirkungen auslösten. In dem neutralen Jugendverein fanden sich in Wandergruppen Jugendliche zusammen, die an der Gestaltung des Neuen in der Welt mitarbeiten wollten. Sie suchten in besonderen Gemeinschaften auf der ״Fahrt“ ihr Leben neu zu formen. Es mag vielleicht von entscheidender Bedeutung gewesen sein, daß die neuen Ideen des Judentums und des Sozialismus in der von Martin Buber geprägten Ausdrucksweise übernommen wurden. Freilich waren nicht überall die gleichen Gedanken in der gleichen Form wirksam. Aber das gleiche Lebensgefühl erfüllte alle, und auf dem ersten Bundestage 1920 gründete man den Jung-Jüdischen-Wanderbund. Man blieb zunächst neutral und arbeitete innerhalb des Verbandes der Jugendvereine. Doch grenzte man sich von der Verbandstätigkeit immer mehr ab und legte auch den Begriff der Neutralität weiter aus. Im übrigen aber waren die neuen Ideen, wie immer, zuerst mehr unklar gefühlt als deutlich erfaßt Wo man jedoch zur begrifflichen Klärung sich durchzuringen vermochte und die konkrete Konsequenz aus dem als richtig erkannten Weg zog, galt man schon als Fremdkörper im Bunde und mußte mehr oder minder gezwungen