Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 1-2 (Oktober 1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- Seite 7 (sequence 9)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2551369-2551370-2551372--0901-2552406- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
? dadurch, daß man bei dem Rückblick das ewig reizvolle Wechselverhältnis von Ursache und Wirkung zwischen den allgemeinen Erscheinungen und den Vorgängen im einzelnen Leben erspürt; so stellt man sich gebend und nehmend, bestimmend und bestimmt, beeinflußend und beeinflußt in geschichtliches Werden. Das ist der höchste Sinn, den die זכרונות uns erschließen. Mann und Weib! In welcher Gestaltung spräche sich diese Gegenseitigkeit mehr aus, als in diesem Verhältnis? Keimzelle der Geschichte! Deshalb hat Thora dieses Heiligtum der Wiege mit künstlerisch vollendetem Gehege geschützt gegen den Anprall egoistischer Leidenschaft. Das Jahr, an dessen Wende wir stehen, hat uns Zeuge sein lassen dieses Ansturms. Draußen in der Welt die Umbiegung edler Zurückhaltung in einen Begriff sexueller Not, die aus selbstischem Wirtschaftssystem geboren, und eine damit entschuldigte Flucht vor dem Kinde, drinnen der Amoklauf gegen die Ehenormen der Thora, feierlich verbrämte Erklärung für Abtragung ■grundlegender Schutzwälle, welche Thora und Tradition um Ehe und Eheleben errichtet hat. Was ist Ursache, und was ist Wirkung? Hat Mangel an Vertrauen auf Vorsehung und Führung durch die Allmacht das Glück der Wiege umdüstert und aus Freudlosigkeit der Häuser den Schatten des Todes in die Welt und ihr Bemühen getragen? Oder hat Gottesferne, wie sie die Thora unter הסתרת פנים verstellt, die Menschen unglücklich werden lassen? Wahrlich, Grund genug zum ernsten Rückblick, gleichzeitig aber auch Einladung zum Ringen in Gottes Nähe, und das ist תשובה, Rückkehr nicht nur der Kinder zum Vater, sondern auch des Vaters zu den Kindern. Weiter; was ist Ursache, was ist Wirkung? Haben kurzsichtige eitle Geister herostratisch im bangen Unverstehen des Thorawillens und des Thorageistes die Ehe des Himmlischen zu entkleiden versucht, oder hat das allzu weitmaschig gewordene Gehege des jüdischen צניעות die Helfershelfer gerufen, um das Gewissen von dem etwa sich meldenden Sündhaftigkeitsbewußtsein zu befreien? Von wannen kam das Feuer in die Zedern des Libanon, weil Dornbusch, der leicht Feuer fängt, zwischen ihnen wuchert, oder haben die Zedern, ihrer stolzen Größe müde, selbst den Dornbusch gerufen und zum Könige gekürt? Menschen unter Menschen! Wie kommt es, daß diese Zusammenstellung zu einem Traumbild geworden zu sein scheint