Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 1-2 (Oktober 1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Belongs to
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3 Bürgertum auf die soziale Stufe des Proletariats herab. Es gibt merkwürdige Leute, die diese Entwicklung aus politischen!Gründen lebhaft begrüßen. Sie sind des wundersamen Glaubens, daß infolge dieser sozialen Annäherung weiterer Kreise des deutschen Judentums an die proletarischen Schichten des deutsehen Volkes die Assimilation zunehmen und der Antisemitismus abnehmen werde. Infolge der zunehmenden Proletarisierung der deutschen Juden werde ein neues Solidaritätsgefühl mit der Gesamtheit des deutschen Volkes erwachen, und das sei unter allgemein politischem Gesichtspunkte als ein Segen zu bewerten. Ich will einmal zugeben, daß die Schwarzseher recht behalten werden, die von der kommenden Proletarisierung des deutschen Judentums reden, ja ich will sogar zugeben, daß es konsequent ist, h e ut e die Assimilation an das deutsche P ro 1 etariertum zu fordern, nachdem!1man hundert Jahre lang die Assimilation an das deutsche Bürgertum gefordert hat. Ob aber diese Konsequenz, die unter politischen Gesichtspunkten verständlich ist, auch den religiösen Interessen des deutschen Judentums entspricht, das möchte ich *doch ganz entschieden bestreiten. Ich stelle mir die Aufgabe, welche die kommende Proletarisierung dem deutschen Judentum 1auferlegt, ganz anders vor. Ist es einmal von Gott den deutschen Juden auferlegt, die Last der דקדוקי עניות, die Last der Armut und ihrer Beschwerden auf ihre Schultern zu nehmen, dann müssen sie zeigen, daß sie stärker sind als ihr Schicksal. Armut ist schlimm, Armut ist bitter, Armut ist die schwerste Prüfung, die einem Menschen auferlegt werden kann, Armut ist, nach jüdischer Anschauung, eine Frage der Vorsehung an den Mensehen, ob er ihr standzuhalten vermag, oder ob sie מעביר את האדם ist ־ ,על דעתו ודעת קונוob sie ihn zum Zerfall mit sich1 selbst und seinem Schöpfer führt. Es ist keine Schmach und keine Schande, arm zu sein. Zu einer Schmach wird die Armut erst dann, wenn sie zu proletarischer Verzweiflung und Verkommenheit führt; zu einer Schmach wird die Armut, wenn sie uns aus בני חורין zv עבדים macht, wenn sie uns den Satz des R. Akiba vergessen läßt: (אפילו עניים שבישראל רואין אותם כאילו הם בני חורין (שירדו מנכסיהם שהם בני אברהם יצחק ויעקב Auch die Aermsten in Israel betrachten sich, als ob sie Freiherren wären — nun ja — sie h'aben recht, sie sind ja der älteste Adel, den es auf Erden gibt: sie sind die Nachkommen von Abraham, Isaak Und Jakob. Auch als עניים stark und aufrecht zu bleiben, auch als