Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 1-2 (Oktober 1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- Seite 2 (sequence 4)
- Belongs to
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2 men. Wie sie vorzeitig zum Besitz gegriffen haben, so waren sie auch die ersten, die Besitz und Heimat verloren. Sie waren die ersten, die durch den assyrischen König Tiglath Pileser ins Exil getrieben wurden. Selbst auf die Gefahr hin, als Prediger in der Wüste mehr belächelt als angestaunt zu werden, möchte ich diese Betrachtung unserer Weisen anläßlich der עשרת ימי תשובה zur Beherzigung empfehlen. Denn mögen auch zwischen der Zeit der Söhne Rubens und Gads und unseren Tagen Jahrtausende liegen, so sind doch in diesen Jahrtausenden die Grundtriebe der menschlichen Seele dieselben geblieben. An jener bitterbösen Neigung, materielles Gut höher einzuschätzen als alle geistigen und seelischen Güter des Lebens, haben die Jahrtausende nichts zu ändern vermocht, und jener schwere Vorwurf, der einst den Söhnen Rubens und Gads gegolten — ״ אתם חבבתם ממונכם יותר מנסשותיכם,ihr liebt euer Geld mehr als euer Leben“ — er gilt auch für die Menschen unserer Tage. Es war aber nicht bloß die übersteigerte Liebe zum Geld allein, die den Söhnen Rubens und Gads vorgeworfen wurde. Es war die übereilte, sich selbst überstürzende Hast, mit der sie zu Besitz und Reichtum gelangen wollten, eine nervöse Unruhe, die sie dazu bewog, sich schon diesseits des Jardens ansässig zu ,machen, noch bevor die Eroberung des Landes vollendet war. Daß ihre Besitzergreifung des Ostjordanlandes eine voreilige Tat, eine נהלה מבוהלת war, diese בהלה, diese überstürzte Eile, dieser hitzige Rekordwahnsinn, mit dem sie einer möglichen Konkurrenz von lästigen Mitbewerbern zuvorkommen wollten : das war die eigentliche Schuld, um deretwillen ,— ואחריתה לא תבורך — sie später die ersten waren, die Besitz und Heimat verloren. Sollten aus dieser Geschichte der Söhne Rubens und Gads nicht auch wir gar manches lernen können? Man spricht heute viel von der kommenden Proletarisierung der deutschen Juden. Die Zeiten sind vorbei, in denen es im Vergleich zu heute ein Leichtes war, seine Kinder wirtschaftlich zu versorgen. Unabsehbar ist die Schar der jungen Leute, die nicht wissen, was sie mit ihrem Leben, mit ihren Fähigkeiten, mit ihrer Arbeitskraft anfangen sollen. Die Zeiten sind vorbei, in denen das deutsche Judentum der Geldgeber für das Weltjudentum war. Immer tiefer sinkt das selbständige jüdische