Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 11-12 (August 1932)
- Date
- 1932-08-01
- Page
- Seite 375 (sequence 57)
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375 die Nation wandert weiter. — Ich sehe den Weg, ich sehe die Opfer, die Toten!und die Halbtoten: die wandernde Nation, ihres Weges sicher, ihres Zieles sicher, Gottes Bundeslade voran: wo ist sie, die ewige, die ruhegekrönte, die unglückliche, die ach so glückliche Nation?- Bernheim: Weiter! Weiter! Ich höre — Alfred: Da fragte ich mich: Wie muß sie aussehen, wie kann sie aussehen, meine arme wandernde Nation, nachdem die Katastrophe sie ereilt hat? Was hat die Katastrophe ihr genommen? Was hat die Katastrophe ihr gelassen? Ist das nicht richtig gefragt? Denn darauf kommt alles an! Bernheim: Die Frage ist richtig. Aber läßt sie sich für alle Zeiten des Galuth gleichmäßig beantworten? Doch ich will Ihnen nicht vorgreifen. — Alfred: Die Katastrophe war eine dreifache, genau nach der Weissagung. Sie betraf zunächst den Staat. Im Augenblick, da die Völker in unser Land kamen und das von ihnen gewollte unrichtige Menschengesetz an Stelle der Thora zum obersten Gesetz erhoben, war der Staat im Grunde genommen schon vernichtet. Dann erfolgte die räumliche Trennung des jüdischen Volkes vom jüdischen Land. Und schließlich die räumliche Trennung der Glieder des jüdischen Volks selber, ihre Zer- Streuung über den Erdkreis. So ist es geweissagt, und nichts davon ist ausgeblieben. Alles hat sich erfüllt, was vom jüdischen Galuth angekündigt ist. Staat, Land, räumliche Einheit: nichts davon :haben wir behalten. Bernheim: Aber die Thora haben wir behalten. Alfred: Wer ist das ״Wir“? Darauf will ich jetzt gerade kommen. — Die dreifache Katastrophe entspricht genau den drei Elementen, aus denen sich der Staat zusammensetzt: Staatswille, Staatsland, Staatsvolk. Staatswille war Gottes Wille, die Thora. Dieser Staatswille herrschte als oberster Wille im Staatsland über das Staatsvolk. Der Staatswille der Th'ora ward von einem fremden Staatswillen verdrängt und verlor seine Macht. Das Staatsland ward von fremden Völkern besetzt. Das Staatsvolk wurde auseinandergerissen. Im geschichtlichen Leben der Völker zieht der Untergang des Staats notwendig auch den Untergang seiner Elemente nach sich. Ihr Staat selber ist ja nur ein Produkt ihres unrichtigen Menschengesetzes. Das unrichtige Menschengesetz gilt aber nur, solange es die Macht hat, zu gelten. Es gilt nicht an sich, sondern lediglich