Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 11-12 (August 1932)
- Date
- 1932-08-01
- Page
- Seite 371 (sequence 53)
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571 zur Wahrung seiner Souveränität das Recht des Krieges für sich beanspruchen dürfen (auf diesen letzteren Punkt hat vor allem der bekannte Rechtsphilosoph H. Kelsen, Köln im ״Deutsehen ,Volkswirt“ vom 8. April d. J. hingewiesen). Solange dies aber noch nicht der Fall ist, dürfen wir den Krieg weder ächten, noch gar ihn verherrlichen. Für uns Juden dürfte aber bis jdahin trotz des לא תרצח und des יהרג ואל יעבור der Aus- Spruch (Mar Samuels: דינא דמלכותא דינא und die Mahnung Jeremias: דרשו את שלום תעיר einer unbedingten Kriegsächtung und Kriegsdienstverweigerung entgegenstehen. Zum Friedensideal hat sich das Judentum seit jeher bekannt, aber den Unterschied Zwischen באחרית הימים und באלה הימים finden wir schon in Gemortoh Sabbath 63a auseinandergesetzt. Gerade deshalb wäre es m. E. bei allem Kampf um den Geist des Friedens und der Völker- Versöhnung ein Fehler, wenn die jüdische Religion sich vorbehaltslos mit dem Pazifismus identifizieren würde. In den letzten Jahren hat das herrschende Wirtschaftssystem!nieben seinen!ethischen so schwere wirtschaftliche Mängel offenbart, daß der Ruf nach einem neuen und gerechterem System von den meisten Seiten erschallt. Es soll hier nicht untersucht werden, ob ein neues Wirtschaftssystem nicht ebenfalls schwere wirtschaftliche und andere Fehler in anderer Form zeitigen würde; denn die Beantwortung dieser Frage überläßt man besser der Nationalökonomie, die darauf, bei objektiver Beurteilung zu verschiedenen Zeiten und für verschiedene Verhältnisse verschiedene Antworten geben wird. Was uns hier interessiert ist vielmehr die Frage, ob es überhaupt die Aufgäbe einer Religion sein kann, sich für eine bestimmte zeitlichbedingte Wirtschaftsform einzusetzen, oder ob sie nicht vielmehr lediglich eine ewig-gültige Wirtschaftsgesinnung ihrer Bekenner fordern soll? Gerade auf diese Frage hat Rabbiner Dr. R. Breuer s. A. in seinem ausgezeichneten Artikel ״Der jüdisehe Marxismus“ die m. E. einzig-mögliche Antwort gegeben. Wenn Herr Dr. Steinberg ״mittels einer Analyse und insbesondere einer Einführung in die jüdische Lehre eine ganz andere Einstellung zum sozialen Grundproblem ableiten“ kann, dann muß er schon stichhaltigere Beweise hierfür erbringen, als die dort (angeführten; denn man kann zwar und auch Rabbiner Dr. R. Breuer s. A. betont dies, den ethischen Sozialismus in der Thora an vielen Stellen nachweisen, aber daß die Thora ein sozialistisches Wirtschaftssystem fordert, daß sie bei aller Beto-