Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 11-12 (August 1932)
- Date
- 1932-08-01
- Page
- Seite 364 (sequence 46)
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364 und Strenge hat Stefan George der deutschen Dichtung wiedergegeben, sprachlich schönen Klang und festtägliches Gefühl.* Man begreift, wie mehrere Jahre lang die im Geiste Stefan Georges geforderte ernsthafte und verantwortliche geistige׳ Arbeit alle Führer und jede Jungmannschaft miteinander verband. Wieder einmal Abkehr von der Erziehung zu etwas Einzelnem hin, zu dem ,In der Vereinzelung Bestimmbaren in irgendwelcher Form. Erziehung im Georgeschen Sinne bedeutet niemals Erziehung zu einem einzelnen Inhalt, mag dieser auch noch so weit gefaßt sein, sie ist vielmehr auf die Erneuerung des ganzen Menschen in all seinen Lebensbezirken gerichtet. Drei Hauptpole menschlicher Haltung — oft sich ergänzend, zuweilen sich ‘widerstreitend — bestimmen den jungen Kameraden des ״Ringes“: Das ״Bruder-Mensch-Gefühl, das Sich-Eins-Wissen mit dem anderen in der Gleichheit von Glück und Leid; die adlige Haltung im Sinne von Kämpfertum, Beweisen!an Mut, Treeue, Stolz, Herbheit, Edelmut, Strenge!und Ehrfurcht; das bewußte Streben zur Ganzheit, d. h. Kampf gegen den Intellektualismus, der nur einen Teil des menschlichen Wesens herrschen läßt, Streben nach Einheit und Unmittelbarkeit jeder Stellungnahme, die nicht erfolgt nach den Wertungen ״interessant“ und ״uninteressant“, sondern nur nach ״wichtig“ und ״unwichtig“ fragt, wo ״Großes wiederum Groß ist, Herr wiederum Herr, Zucht wiederum Zucht.“ Man nennt!solch eine menschliche Haltung auch wohl ״Konkretheit im Denken und Tun, Wirklichkeitsnähe statt der alten Allgemeinheit“. — Dem Berichterstatter fällt es schwer, derartige Formulierungen zu erläutern. Er müßte selbst den Intellekt zu Hilfe nehmen und mit seiner Hilfe zergliedern, was Kampf gegen den Intellektualismus bedeuten soll. Ausdrücke wie ״Wir spüren“ finden sich in den damaligen Organen des Kameradenbundes häufig genug, um daraus den Schluß ziehen zu können, daß Unwägbares, Unmeßbares und Gefühltes in diesen Jahren der Bundesentwicklung weit mehr bedeutet als Erstrebtes und Er- * Wir alle, die wir uns von ihm haben beeinflussen lassen, wissen, dass seine Verse weit mehr sind als Zeilen ״voll schlanker Anmut oder kühler Würde in blasser erdenferner Festlichkeit“. Wir alle beklagen die Verwilderung des Stils in fast allen Publikationen jüdisch-orthodoxer Kreise, den salbungsvollen Ton plattester Belanglosigkeiten, deren ״gepflegtester“ stilistischer Ausdruck der genitivus inversionis ist.