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Nahalat tsevi · 1932-08-01 · Heft 11-12 (August 1932) · p. Seite 363

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
II (5692) 1931/32
Issue
Heft 11-12 (August 1932)
Date
1932-08-01
Page
Seite 363 (sequence 45)
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363 beklagenswert, daß durch das Ausscheiden der älteren Führersch'aft für den Bund als solchen die günstige jüdische Chance auf Jahre hinaus verloren ging. Wie weit die Assimilation bald darauf ging, erhellt aus der Tatsache, daß allen Ernstes die Frage diskutiert wurde, ob man Christen, regelrechte deutsche Christen, nicht etwa getaufte, zum Judentum zurückstrebende Menschen, in den Bund aufnehmen könnte. Was jetzt Tendenzlosigkeit war, nannte man ״Weite des Gesichtsfeldes und des Arbeitsgebietes“, und den Inhalt des Bundeslebens für die nächsten Jahre bestimmten die im ״Ring“ zusammengefaßten Einzelgruppen aus Westdeutschland. Diese geographische Bestimmung und zugleich die Namengebung ist wichtig für die geistige Struktur dieser Gemeinschaft. In Stefan George, dem Dichter westdeutschrheinischer Mischkultur, sieht sie ihren Führer und Meister, ihren hierarchischen Mittelpunkt. Mit den Wirkungen Dantes hat man den Einfluß der großen Dichtungen Stefan Georges (Der siebente Ring, Der Stern des Bundes, Das Jahr der Seele) auf die Jugend verglichen. Für den künstlerischen und kunstsinnigen Menschen bedeutet Kunst tiefster, heiliger Ernst, nie ein vergnüglich bequemes Spiel. Künstlerische Ideen und Ideale, geheimnisvoll aus dem Unbewußten der Künstlernatur aufsteigend, stellen strenge Anforderungen, denen man nur in entsagungsvoller Hingabe;genügen kann. Die Welt, die aus dem künstlerischen Schaffen hervorgeht, ist wertvoller und!deshalb ״wirklicher“ als die durch die Naturwissenschaft erreichten technischen Errungenschaften unserer materiellen Kultur. Die Kunst muß erst die Kultur durchdringen und ihr!die rechte Weihe geben. Warnend wird eine Kultur mit echten geistigen Werten verlangt, die Idee eines gehobenen, schönen Menschentums leuchtet aus Georges Werk. Laut tönt wie!eine Fanfare der längst gefühlte Gegensatz edlen Menschentums zur öden Scheinkultur der Mitwelt. Sein Zorn gilt dem Materialismus in jeder Gestalt, der häßlich eitlen Angst, des Alltags frechem Jubel, den feisten Krämern, der reichen, morschen Stadt, der alles käuflich ist. Mit Absicht ist hier das dichterische Werk von Stefan George mit einigen flüchtigen Strichen gekennzeichnet, denn es gibt heute keinen Dichter in Deutschland, der in Stil und Ton einen solchen Einfluß auf weiteste Kreise gewonnen hat. Zucht

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