Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 11-12 (August 1932)
- Date
- 1932-08-01
- Page
- Seite 361 (sequence 43)
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361 aber von vielen jungen Menschen wurde diese Richtung abgelehnt, da sie ja keinerlei Beziehung zum Jüdisch-Religiösen hatten. Die Mehrzahl des Bundes blieb in jüdischer Hinsicht untätig, und alle Versuche des erstgenannten Kreisen, jüdische Erweckung und religiöse Gestaltung dem ganzen Bund zu bringen, blieben fruchtlos. III. So vergingen mehrere Jahre, während die einzelnen Gruppen in sich geschlossener wurden und sich weiter voneinander fortentwickelten. Die ״jüdische“ Gruppe formte sich zu einem ״Kreis“, der eine eigene, ungemein bezeichnende Entwicklung nahm. Was bisher — trotz zahlreicher Unterhaltungen über jüdische Dinge — an diesem Kreis ursprünglich jüdisch war, mag eine als jüdisch empfundene allgemeine religiöse Stirnmung gewesen sein. Stimmungen aber und Gefühlsregungen lassen sich nicht konservieren. Es fehlte das Judentum im Alltag, es fehlte vor allem das jüdische Wissen, dessen reifste Frucht erst die jüdische Anschauung ist. Man kann die Neuorientierung dieses Kreises, die aus der Erkenntnis eigener jüdischer Unvollkommenheit entstand, in ihren Wirkungen an zwei Faktoren belegen: Hebräisch-Lernen und Jüdische Geschichtetreiben. Die zentrale Gewalt, die das gesamte Bundesleben entscheidend beeinflußt, ist jetzt Martin B u b e r. Im Sinne seiner ״Drei Reden über das Judentum“ vollzieht sich der Anschluß an das jüdische Volkstum, das bewußte Kennenlernen ostjüdischer Kreise, des Chassidismus. Die hier gekennzeichnete Entwicklung ist dieselbe wie beim alten Blau-Weiß. Der kritische Betrachter glaubt feststellen zu müssen, daß Begriffe wie: Bewußtsein vom Volkstum, Verbundenheit mit der jüdischen Geschichte usw., die so leicht den Weg zur zionistischen Ideologie ebnen, stets nur Surrogate sind für ״jüdische Wirklichkeit“, und daß die Hinwendung zum Zionismus oder die zur konsequent beachteten Verwirk lichung des jüdischen Gesetzes die beiden einzigen Konkretisierungsmöglichkeiten sind, die diesen Gruppe des Kameradenbundes ergreifen konnte. Aber die ״Entdeckung des jiidisehen Volkes“ und die Heranbildung nationaler Tendenzen ist lange nicht!so mühselig und immer viel bequemer als die Unterordnung des eigenen, privaten Lebens in den Dienst einer von zeitgebundenen Strömungen unabhängigen Idee der