Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 11-12 (August 1932)
- Date
- 1932-08-01
- Page
- Seite 358 (sequence 40)
- Belongs to
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358 Jüdische Jugendbewegung II: Von Dr. Harry Abt. Kameraden, Deutsch-jüdischer Wanderbund. I. Eine Darstellung von Wesen und Entwicklung der ״Kämeraden“ zeigt am deutlichsten die unlösbare Verbundenheit gerade dieser Organisation mit der deutschen Jugendbewegung. Sie entsteht in Breslau im Jahre 1916, gegründet von jungen Menschen, die aus den Wandervogelbünden (A. W. V. und E. V.) hinausgedrängt waren, und die ersten Jahre der Bundesgeschichte zeigen die Charakteristika einer durch den Antisemitismus erfolgten ״Notgi undung“, indem im wesentlichen die Ideologie des Wandervogels übernommen wird. Die Ausbreitung und Erweiterung des Bundes zum ״Reichsverband der Kameraden“ erfolgte in der Zeit zwischen Revolution und Hochinflation, jener Periode der allgemeinen Popularisierung der Jugendbewegung. Den Hauptbestandteil dieses Bundes bildeten — wie es den Anfängen entsprach — junge Menschen, die nichts von den übrigen Bünden der Jugendbewegung trennte als die mehr oder minder offene Ablehnung, die sie im Wandervogel erfuhren. Andere sahen aus einer etwas engeren Bindung an das Judentum heraus zum mindesten eine besondere Lage und besondere Aufgabe der jüdischen Jugend. Und schließlich gab es Kreise, die vom Wesen und den Lebensformen der deutschen Jugendbewegung aus dem Grunde manches in die deutsch-jüdische Jugend hineintragen wollten, um hierdurch Träger schon vorhandener Ideen zu gewinnen. Die Auseinandersetzung zwischen diesen ganz verschieden gearteten Kräften bestimmte die ersten Bundesjahre. Die erstgenannte Gruppe war jüdisch auch nicht im geringsten interessiert, einfache Kleidung, Volkslied und Klampfe waren Inhalt genug, um gegenüber Diskussionen, die Tendenz und Ideologie des Bundes zum Gegenstand hatten, sich desinteressiert zu zeigen. Die zweite Gruppe brachte die religiöse Ueberzeugung des Liberalismus mit und damit schon eine Lust zur Auseinandersetzung, ohne jedoch eine bestimmte Stellungnahme im einzelnen zu verlangen. Anders war es bei der dritten Gruppe, die eine vorgefaßte Meinung über die Synthese ״Deutschtum — Judentum“ im Sinne des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in den Bund hineintrug.