Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 11-12 (August 1932)
- Date
- 1932-08-01
- Page
- Seite 331 (sequence 13)
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33t eine oder andere aus Neugierde in die Synagoge sich verirrt. Denn dieser Gottesdienst ist mit seinen traditionellen Formen dem Außenstehenden ein unlösbares Rätsel. Das Anlegen des Tallis, das Umwinden der Tefillin, das Aufrufen zur Thora, die Seltsame Art, wie diese Thora vorgelesen und wie der Priestersegen gesprochen wird, das Omerzählen, das Schofarblasen, die besondere Stimmung jedes einzelnen Festes, Chanukalicht und Purimrolle, Freitag Abend und Kol-Nidre-Nacht: — wo ist der Künstler, der nichtjüdischen Menschen das Rätsel klären könnte, warum der Jude mit diesen seltsamen Formen der Gottesverehrung so innig verwachsen ist, daß er auch dann, w׳enn er sich diesen Formen äußerlich entfremdet hat, gar oft bei ihrem Anblick einer Rührung und Ergriffenheit sich nicht erwehren kann? Wie könnte es je gelingen, nichtjüdischen Menschen einen mehr als oberflächlichen Einblick in unsere durch Religion und Tradition, durch tausendjährigen Brauch und tiefgewurzelte Sitte so unendlich originell geformte jüdische Psyche zu verschaffen? In einem Sonderheft der ״Süddeutschen Monatshefte“, das sich ausschließlich mit der Ostjudenfrage beschäftigte, erschienen Artikel über die Bedeutung der Ostjuden für Deutschland, über den Chassidismus, den ostjüdischen Rabbiner, die jüdischdeutsche Sprache, die nationale Autonomie der Ostjuden usw. usw. Am interessantesten waren an diesem Ostjudenheft die Einführungsworte der nichtjüdischen Schriftleitung. Da hieß es u. a.: ״Für die einen sind die Ostjuden von Natur aus Engel, die durch die russische Unterdrückung einige unerfreuliche Eigenschaften angenommen haben und nur in die richtigen Verhältnisse gebracht werden müssen, um so zu strahlen, daß alle Nichtjuden in ihrem Glanze herum laufen können; für andere sind sie ein Gegenstand des Abscheus, dem man sich möglichst weit vom Leibe halten muß .... Wer aber unbefangen an das Studium der Ostjuden herantritt, dem tut sich eine Welt auf, so eigenartig und seltsam, wie keine in Europa. Wir hatten keine Ahnung, daß es dicht vor unserer Türe so etwas gibt.“. Sie hätten keine Ahnung, daß es dicht vor ihrer Türe so etwas gibt. Und doch waren und sind sie jederzeit bereit über dieses ״so etwas“ herzufallen und vom zersetzenden jüdischen Geist zu ׳'reden. Jüdischer Geist ist Thorage ist, ist der Geist jenes Volkes, das unter allen Völkern der