Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 11-12 (August 1932)
- Date
- 1932-08-01
- Page
- Seite 329 (sequence 11)
- Belongs to
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529 bloß angeboren sein, es will auch erkannt und erfüllt sein. Allein dieses Judentum des Erkennens und Erfüllens, das einzig und allein ider Inbegriff des jüdischen Geistes ist, das Judentum, in das man nicht nur hineingeboren, sondern lediglieh hineinerzogen werden kann, dieses Judentum ist Heine ewig fremd geblieben. Wie hatte es auch anders sein körRien! Er selbst hat es in seinen Memoiren erzählt, was das für eine jüdische Erziehung war, die ihm im Elternhause zuteil wurde. Seinem Vater der in Düsseldorf ein Manufakturwarengeschäft hatte, war es einst zu Ohren gekommen, daß sein Sohn Harry, wie er damals noch hieß, bei seinen katholischen Lehrern im Gymnasium durch religiöse Spöttereien Anstoß errege. Da hielt ihm der Vater folgende Standrede: ״Du kannst Philosoph sein, soweit du willst, aber ich bitte dich, sage nicht öffentlieh, was du denkst, denn du würdest mir im Geschäft schaden, wenn meine Kunden erführen, daß ich einen Sohn habe, der nicht an Gott glaubt, besonders die Juden würden keine Velveteens mehr bei mir kaufen, und sind ehrliche Leute, zahlen prompt und haben |auch recht, an der Religion zu halten. Du darfst mir also aufs Wort glauben, wenn ich mir erlaube, dir zu sagen, daß der Atheismus eine große Sünde ist.“ Mehr braucht man kaum zu wissen. Denn wenn auch diese Standrede des Vaters das einzige wäre, was wir von der geistigen Ent- Wicklung Heines wüßten, so würde das vollauf genügen, um die Empörung zu rechtfertigen, die uns Juden erfüllen muß, wenn uns von antisemitischer Seite Heine als eine typische Verkörperung des jüdischen Geistes und seiner zersetzenden Wirkung vorgehalten wird. War er sich doch selber von frühester Jugend an seiner inneren Entzweiung mit diesem jüdischen Geiste nur allzu deutlich bewußt. IV. Ich glaube bisher an dem Beispiele Heines nachgewiesen zu haben, wie unberechtigt es ist, von dem geistigen Habitus einzelner Juden, die innerlich mit dem Judentum gebrochen haben, auf das Wesen des jüdischen Geistes selber einen voreiligen Schluß zu ziehen. Noch aber ist die Frage nicht geklärt, ob denn nicht am Ende diesem jüdischen Geiste selber eine zersetzende Wirkung innewohnt und jenes antisemitische Schlagwort vielleicht doch nicht so ganz unberechtigt ist. Hierüber ist nun folgendes zu sagen.