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Nahalat tsevi · 1932-08-01 · Heft 11-12 (August 1932) · p. Seite 326

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
II (5692) 1931/32
Issue
Heft 11-12 (August 1932)
Date
1932-08-01
Page
Seite 326 (sequence 8)
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526 ״Ungläubigen“, dem Glauben der Väter selber so völlig Entfremdeten und geschworenem Feind jeder positiven Religion. So vergleicht er die Urheber dieses reformierten Gottesdienstes, ״Friedländer & Co.“, wie e sie nernnt, mit ״Hühneraugenoperateuren, durch deren Ungeschicklichkeit und spinnwebige Bandagen Israel verbluten müsse.“ An einer anderen Stelle kennzeichnet er das Reformjudentum als eine ״Mischung von Religion und Geschäftsinstinkt, von Philosophie und Schacher“ ja, offen und klar drückt er es aus: ״Wir!haben nicht mehr die Kraft, einen Bart zu tragen und zu fasten: das ist das Mjotiv unserer Reformation!“ Und als er im August 1823 einmal in Hamburg die orthodoxe Synagoge besucht und hier Bernays predigen hörte, einen der geistigen Väter des sogenannten orthodoxen Judentums, da schrieb er an seinen Freund Moses: ״Bernays habe ich predigen gehört.keiner von den Juden versteht ihn, er wirkt nichts und wird auch1 nie eine andere Rolle {spielen; aber er ist doch ein geistreicher Mann und hat mehr Spiritus in sich als Kley, Salomo, Auerbach I und II.“ Und diese platonische Liebe, die dieser getaufte Jude sein Leben lang für das traditionstreue Judentum besaß, sie kam nicht bloß in seinen Briefen an vertraute Freunde, sondern auch in seinen Dichtungen zum Ausdruck. Wer kennt nicht seine ״hebräische!Melodien“, seinen Jehuda Halevi, seinen Rabbi von Bacharach. Keiner hat den eigenen Zauber des Sederabends so ergreifend dargestellt, wie dieser getaufte Jude in seinem Rabbi von Bacharach. Ja, ich kann mir in den Tagen Hitlers keine zeitgemäßere Lektüre denken, als den Rabbi von Bacharach. Mit welch genialem Instinkt hat Heine sich hier in die jüdischen Stimmungen zur Zeit der mittelalterlichen Juden- Verfolgungen zurückversetzt, die auch in diesen Tagen wieder aufzuleben beginnen. Wie da der Rabbi von Bacharach mit seiner Gattin in einer Pessaehnacht nach Frankfurt flieht. Dort kommt er an das Tor des Judenquartiers, das an katholisehen Feiertagen von außen, an jüdischen von innen geschlossen wird. Von innen wird das Tor von jüdischen Wächtern bewacht, von außen von christlichen Stadtsoldaten. Diese jüdisehen und christlichen Ghettowächter stellen in der Art undWeise, wie sie ihre Aufgabe erfüllen, einen vollendeten Gegensatz dar. Und bei der Schilderung dieses Gegensatzes tritt die ganze Eigenart des Heineschen Geistes, seine tiefe Kenntnis der jüdisehen Volkseele, sein halb lachender, halb weinender Humor,

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