Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 11-12 (August 1932)
- Date
- 1932-08-01
- Page
- Seite 325 (sequence 7)
- Belongs to
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525 ist,!oder ob sie am Ende beide richtig sind. Wohl aber ist es (meine!Aufgabe zu entscheiden, ob!es richtig ist, Heine mit jüdischen Geiste zu identifizieren, ob seine Feinde berechtigt sind,!seinen zersetzenden Einfluß auf das deutsche Geistesleben ,auf das Konto des jüdischen Geistes zu setzen. Diese Frage jmuß unbedingt verneint werden, und zwar aus folgendem Grunde. Alle Heinebiographen verfallen in Heines eigenen Fehler: sie behandeln das Judentum nicht als Religion, die ernstzunehmende Ansprüche erheben darf, sowohl an ihre Bekenner wie an ihre Beurteiler. Ansprüche, deren Nichtbeachtung sich an beiden rächen könnte, sie behandeln das Judentum als ״Unglück“, das man entweder ergeben hinnimmt, oder mit mehr oder weniger Geschick und Recht loszuwerden sucht — oder aber diese Heinebiographen sind Stammesgenossen, dann weisen sie nach, daß Heine trotz Taufe ein ״guter Jude“ geblieben ist. Die Wahrheit liegt weder hier noch dort. Die Wahrheit ist: daß die innere Zerissenheit, die Heines Leben und Dichten durchzieht, nicht aus seinem jüdischen Geiste, sondern gerade umgekehrt, aus seiner Auflehn(ung; gegen den jüdischen Geist sich erklärt. Diese Auflehnung ist zum Verhängnis geworden, denn sie hat in seiner Seele einen Widerspruch erzeugt, mit dem er niemals ins reine kommen konnte. Er sagt sich äußerlich vom Judentum los und fühlt doch, daß er innerlich von diesem Judentum nie- ^nals loskommen kann. ״Ist es nicht närrisch?“ schreibt er!ein|mal selbst in seinen Briefen, ״kaum bin ich getauft, so werde ich als Jude verschrien. Ich bin jetzt bei Christ und Jude verhaßt. Ich bereue!sehr, daß ich mich getauft habe, ich sehe auch gar nicht ein, daß es mir seitdem besser ergangen sei — im Gegenteil, ich habe seitdem nichts als Widerwärtigkeiten und!Unglück“. So ist es bis zu letzt geblieben: Den Juden war Heine stets der Christ, den Christen stets der Jude. Aber es war seine Tragik nicht bloß darin begründet, daß ihm die Taufe nachträglich als zwecklos sich erwies. Darüber wäre er vielleidit hinweggekommen, wenn er die tiefe innere Sympathie hätte los werden können, die er Zeit seines Lebens für das alte historische Judentum in sich *trug. Es ist!viel zu wenig bekannt, daß die Verchristlichung der jüdischen Religion, wie sie in den Gemeinden mit reformiertem Gottesdienst zu Tage tritt, vielleicht von keinem so blutig verhöhnt wurde, wie von diesem