Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 11-12 (August 1932)
- Date
- 1932-08-01
- Page
- Seite 324 (sequence 6)
- Belongs to
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324 Jierauszuschälen, könnten wir feststellen, ob und wie dieser jüdische Kern ein wesentlicher Faktor ihrer aufbauenden oder zersetzenden Einwirkung auf das deutsche Geistesleben war. Da aber die Geschichte des jüdischen Geistes von Mendelssohn bis Rathenau zu schreiben, eines Werkes für sich bedürfte, abgesehen davon, daß es bei diesen Menschen mit den größten Schwierigkeiten verknüpft ist, ihr inneres Verhältnis zum Juden• tum bloßzulegen, weil sich die Wenigsten unter ihnen über dieses Verhältnis selber deutlich ausgesprochen haben, soll nur hier von Einem gesprochen werden, der diese Beichte mit rückhaltsloser pffenheit abgelegt hat, und dieser Eine war ein — getaufter Jude: Heinrich Heine. Von ihm möchte ich reden, und zwar nicht nur deshalb, weil er!uns selber seine jüdische Seele entschleiert hat, sondern auch weil ich vermute, daß Heine es war, auf den zum ersten Mal das Schlagwort vom zersetzenden jüdischen Geiste geprägt wurde. II. Ob Heine auf das deutsche Geistesleben zersetzend gewirkt hat, ist eine Frage, die von den politischen Rechtsparteien bejaht, von den Linksparteien verneint wird. Beide Antworten lassen sich mit triftigen Argumenten begründen. Das Zerrissene!und Zwiespältige in Heines Wesen, sein schonungsloser Witz, dem nichts heilig ist, die beißende Selbstpersiflage, mit der er sich über seine eigene Taufe lustig machte, die ungezügelte Sinnlichkeit seiner Lebensführung: das sind die wesentliehen!Momente, die ein konservativ eingestellter Betrachter in den Vordergrund rückt, um nachzuweisen, daß Heine in seinem Wesen ein verneinendes dekadentes Prinzip verkörpert, das ansteckende Krankheitskeime in alles trägt, was es berührt. Von der Gegenseite wird auf die segensreichen Folgen hingewiesen, die sich aus der scharfen Verstandesarbeit ergeben, die von Heine und seinesgleichen geleistet wurde, wird darauf hingewiesen, wie gerade von der Behendigkeit und Treffsicherheit seines Witzes und der Klarheit seiner Polemik so manches wuchernde ,Unkraut ausgerodet ward im Kulturwalde Deutsch- Lands׳,!und!wie die wühlende Lebensarbeit Heines nichts anderes war als das zukunftsvolle Schaffen eines über das Eng-Nationale hinausweisenden Weltbürgertums. Nicht meine Aufgabe i$t es, zu entscheiden, welche von beiden Antworten richtig