Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 11-12 (August 1932)
- Date
- 1932-08-01
- Page
- Seite 322 (sequence 4)
- Belongs to
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322 fallen. Um!so wichtiger ist es aber, daß wir uns selber einmal darüber klar!werden, ob dieses Schlagwort berechtigt ist oder nicht. Wie (anders könnten wir aber hier zur Klarheit kommen, als indem wir auf dieses antisemitische Schlagwort ein jüdisches Schlaglicht werfen! I. ■ י ־■ r* -־ Da ist!nun das e rste, worüber wir uns klar werden müssen, der Begriff des ״jüdischen Geistes“. Was heißt das ״jüdischer Geist“? Man denkt hierbei gewöhnlich an die Intelligenz der Juden und indentifiziert kurzerhand den Geist der Juden mit dem jüdischen Geist. Wir wollen einmal vorläufig zugeben, daß diese!beiden Begriffe identisch sind und dementsprechend unsere Frage formulieren: Ist es wahr, daß der Geist der Juden im deutschen Geistesleben zersetzend wirkt oder ,nicht? Zur Beantwortung dieser Frage müssen wir uns auf den verschiedenen Gebieten umschauen, auf denen sich Juden an hervorragender Stelle geistig betätigt haben und betätigen. Wir begegnen hervorragenden Juden in der Wissen- Schaft: Spinoza, Ehrlich, Einstein, um ein paar Namen ganz wahllos zu nennen. Diese Juden haben der Wissenschaft neue Wege jgewiesen, sie haben alte Anschauungen zersetzt und über den Haufen geworfen. Ist es aber nicht lächerlich, hier im tadelnden Sinne von einer zersetzenden Wirkung des jüdisehen Geistes zu reden? Jeder wissenschaftliche Fortschritt ist im tiefsten Grunde eine Zersetzung des alten, und wenn Spinoza, der ein neues Weltbild konzipierte, ein Zersetzer war, dann war der Nichtjude Kant ein Zersetzer mit noch viel stärkerem Gift, denn Kant, dieser Allzermalmer, wie ihn Mendelssohn nannte, hat nicht bloß Spinoza zersetzt, er hat neben Spinoza noch eine ganze Reihe von anderen Philosophen zermalmt. — Wir begegnen :hervorragenden Juden im Wirtschaftsleben. Ja, hier scheint die jüdische Rasse intensiver noch als in der Wissenschaft die Eigentümlichkeit ihres Geistes zu entfalten. Mehr als jeder andere scheint gerade der Jude zum Händler qualifiziert zu sein. In seinem Buche ״Die Juden und das Wirtschaftsieben“ hat jWerner Sombart nachgewiesen, daß der Jude von guten Händlereigenschaften förmlich triefe: seine abstrakte Veranlagung macht ihm das Rechnen leicht: ein hervorragendes kalkulatorisches Talent paart sich in ihm' mit einem nüchternen Zweckmäßigkeitssinn. Der Jude ist ein nüchtern abwägender,