Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 9-10 (Juni 1932)
- Date
- 1932-06-01
- Page
- Seite 315 (sequence 61)
- Belongs to
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315 weil er kommt, zu richten die Erde; er richtet die Menschenweit mit Recht und Völker mit seiner Treue.“ Alfred: Wie schön ist das. Bernheim: In ׳den Psalmen unseres Königs David steht alles. — ׳— Alfred: Nun wissen Sie bestimmt schon, wo hinaus ich will. Nicht wahr, Herr Doktor? Bernheim: Doch :noch nicht. Ich bin zuweilen etwas stutzig. Alfred: Ach, Herr Doktor,-natürlich wissen Sie’s. Es ist ja nicht nur das Verbundensein mit der Vergangenheit, die Hoffnung auf die Zukunft, die uns zur Nation machen. Es ist ja auch die Thora als unser geltendes Nationalrecht Gottes, das uns in jeder Gegenwart von den Völkern scheidet und uns und unser Land zu einem geschichtlichen Leben eint, das ich nur als Metageschichte bezeichnen kann. Bernheim: Wie kommen Sie darauf? Alfred: Wie ׳hätte ich sonst den Weg zur Thora finden können? Ich komme ja von den Völkern. Ich bin nicht anders erzogen als sie. Die Geschichte der Völker aber zeigt mir, daß die Beziehungen der Menschen zu den Menschen, zu den Dingen, zu sich selbst — falsch!sein müssen, objektiv falsch. Sonst könnten die Völker und ihre Menschen — innen und außen — nicht heute noch so dastehn, wie sie dastehn. Alles, was sie!mit dem Naturgesetz anfangen, stimmt. Da kommen sie immer weiter und höher. Und alles, was sie mit dem Menschengesetz anfangen, stimmt nicht. Da fallen sie immer wieder in Anarchie zurück, sind seit Jahrtausenden kaum einen Schritt weiter. Es fehlt das richtige Menschengesetz. Bernheim: Mein lieber Junge — Alfred: Dies hatte ich erlebt, tief innerlich und schmerzvoll erlebt, als!mich die gütige Vorsehung vor jenes Kapitel in Levitikus stellte, das mir den Sinn des Galuth, das Wesen der jüdischen Nation, Sinn und Wesen meiner selbst enthüllt hat. Die jüdische Nation hat ihren Staat und ihr Land verloren, weil sie das ihr anvertraute richtige Menschengesetz veruntreut hat. Aber die jüdische Nation hat das ihr anvertraute richtige Menschengesetz nicht verloren. Mit diesem Menschengesetz ist sie ins Galuth gezogen, diesem Menschengesetz sühnt im Galuth die jüdische Nation, sühnt im Galuth das jüdische Land. Die Galuthgeschichte der Völker ist die tränenfeuchte Geschiehte des mit Macht umkleideten unrichtigen Menschengesetzes.