Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 9-10 (Juni 1932)
- Date
- 1932-06-01
- Page
- Seite 314 (sequence 60)
- Belongs to
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314 Zukunft lächerlich, unsere staatsgeschichtliche Vergangenheit gleichgültig ist. Gehören auch sie zur jüdischen Nation? Bernheim: Gewiß. Wenn sie sich auch, ihrem seelischen Habitus [nach, einstweilen von Zigeunern kaum unterscheiden. Aber gibt es nicht auch mangelhafte, kranke Deutsche? Ich will /aus den jüdischen Zigeunern richtige Juden machen. Alfred: /Wer garantiert Ihnen aber, daß jene krank sind? Vielleicht ,haben jene recht, und wir sind es, die sich einer krankhaften Romantik, einem hirnverbrannten Optimismus hingeben? Vielleicht sind wir wirklich nur bessere Zigeuner der Geschichte und wissen es nur noch nicht? Bernheim: Das ist Sache persönlicher Ueberzeugung. Ich halte :meine Ueberzeugung für die bessere, die richtigere, und ich handle danach. Alfred: Worauf beruht Ihre Ueberzeugung? Bernheim: Ich könnte es mir wieder bequem machen und antworten: auf der Thora. Alfred: Ernstlich? Bernheim: Sagen wir: auf erlebter Thora. Alfred: Darf ich nun fragen: als was erlebten Sie die Thora? Bernheim: Möchten Sie die Frage nicht ein wenig genauer stellen? Alfred: Erlebten Sie die Thora in ihrer geschichtlichen Funktion!oder nur in ihrer Funktion als Mittlerin zwischen Ihnen und Gott? War Ihnen die Thora individuelles oder nationales!Erlebnis? Bernheim: Beides natürlich; wenigstens wenn ich Sie riehtig 'verstehe. Alfred: Herr Doktor, ich habe die Thora bis jetzt nur in ihrer )geschichtlichen Funktion erlebt. Bernheim: Was meinen Sie damit? Alfred: Die Thora als menschengesellschaftliches Recht Gottes. Bernheim: Ich verstehe. Wie sagt der Psalmist? ״Saget’s unter den Nationen: ist Gott zur Herrschaft gelangt, dann wird auch die Menschenwelt festgegründet sein und nicht mehr wanken. Er richtet Völker in Geradheit. Es freuen sich die Hirnmel, laut freut sich die Erde, es braust das Mieer und was es füllt, es jubelt das Gefilde und alles was in ihm, dann sind auch heiter laut alle Waldesbäume —: vor Gott, weil er kommt,