Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 9-10 (Juni 1932)
- Date
- 1932-06-01
- Page
- Seite 304 (sequence 50)
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304 scheinbar imit einigem Recht behaupten, daß die Juden erst durch die Sowjets ihre bürgerliche Freiheit erhalten hätten. Gewiß, als rassemnäßiges Volk, aber nicht als Religionsgemeinschaft. Wenn man die Methoden des antireligi- Ösen Kampfes der Bolschewisten mit den Praktiken der westeuropäischen Antisemiten vergleicht, so findet man eigentlich kaum einen Unterschied. Zwischen der antireligiösen Karrikatur des ״Bezboznik u stanka“ und der antisemitischen Zeichnung eines nationalsozialistisehen Witzblattes herrscht eine merkwürdige Uebereinstimmung! Dabei kommt der Antisemitismus den Bolschewisten und insbesondere den Gottlosen als ״eine religiöse Erscheinung“ vor, die man deshalb bekämpfen muß. Ein allzu eifriger Atheist folgert merkwürdigerweise daraus, daß man erst die jüdischen Massen von dem schädlichen Einfluß der Religion befreien müsse, um dann dem Antisemitismus zu Leibe rücken zu können (!!) Ja, der Atheist Stukow identifiziert immer wieder den Antisemitismus mit dem Begriff ״Gegenrevolution“. ״Aus dem Antisemitismus schaut das gemeine Antlitz der Gegenrevolution, und aus ihm erblickt man auch das häßliche Gesicht der Religion. Daher müssen die Gottlosen den Kampf gegen den Antisemitismus als eine wichtige Aufgabe betrachten, denn der Kampf gegen den Antisemitismus ist der Kampf gegen die Religion und damit gegen unseren Klassenfeind, die Gegenrevolution.“ (Bezboznik u stanka, 1929. No. 2. S. 11 ff.) Ich habe schon darauf hingewiesen, daß man sidt vor allem darum bemüht, die Autorität der Rabbiner zu erschüttern. Zahlreiche von ihnen sind in den letzten Jahren verhaftet und auf die Toteninseln Solowki im Weißen Meere verbannt worden, wo sie einem entsetzlichen, langsamen Tode entgegengehen. Als ״nutzlose Elemente“ werden sie in der letzten Zeit einfach auf die Straße gesetzt und der Verelendung preisgegeben. Jede mißliebige Aeußerung wird als staatsfeindlieh betrachtet und in vielen Fällen mit Gefängnis oder Zwangsarbeit bestraft. Einige Rabbiner haben sich freilich durch' diesen Terror!zum Abfall vom Glauben bewegen lassen, aber die große (Menge der jüdischen Geistlichkeit erduldet nach wie