Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 9-10 (Juni 1932)
- Date
- 1932-06-01
- Page
- Seite 292 (sequence 38)
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292 den Prüfstein •der Umsetzung von Wertung zur Wirk u n g nicht kläglich versagt. Und nun das Entscheidende: Die jüdische Jugend, vor allem die thoratreue, jammert über das Spannungsverhältnis, das zwischen Wirtschaftsgesinnung der Thora und den Praktiken modernen Wirtschaftslebens besteht. Sie beseitigt diese Spannung auf recht bequeme Weise, indem sie aus den kaufmännischen Berufen flieht und in der angeblich reineren Luft des Akademikertums sich einen Broterwerb sucht. Sie will nicht kennen den Begriff des ״königlichen Kaufmanns“, חדת איש מהיר במלאכתו לפני מלכים יתיצב נל יתיצב לפני חשכים. (משלי כ״ב) und will nicht wahrhaben, daß Wohlstand, ja Reichtum, nicht nur Ergebnis raffender Gier ist, sondern auch mit aufbauender sozialer Leistung sich paaren kann.* VII. Es ist kein Zufall, daß soziale Fragen heute im Mittelpunkt des Jugendlichen Interesses stehen. Alle Erscheinungen der Umwelt zwingen sie in diese Richtung. Es wurde oben von einem Konkretisierungsprozeß gesproeben: An der Einstellung der einzelnen Bünde zum Sozialismus — einerlei in welcher Art — läßt sich dieser Prozeß am besten verfolgen. Eine Stellungnahme wird gefordert, und wie auch die Entscheidung ausfällt, Bejahung und Verneinung bedingen in Wechselwirkung eine solche Fülle von konkreten Aufgaben, daß durch sie die Physiognomie der Bünde einem dauernden Wechsel unterworfen ist. Selbst die ausgesprochen zionistisehen Bünde — das sei hier schon vorweggenommen — beweisen ihre Differenzierungen im eigentlichen Sinne an der Stellung zu dieser Frage, oft tritt die jüdisch-politische Zielsetzung zurück hinter der rein sozialistischen. Die Darstellung dieser Zusammenhänge führt unmittelbar in die Charakteristik der einzelnen Jugendbünde. (Fortsetzung folgt.) * Obige Ausführungen lassen mit Absicht die durch die Arbeitslosigkeit geschaffene Notlage unberücksichtigt. Die skizzierte Einstellung weitester jüdischorthodoxer Kreise ist literarisch belegt, lange bevor es ein Arbeitslosenproblem gab, das bekanntlich :auch die soziologische Struktur der jüdischen Bevölkerung entscheidend veränderte.