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Nahalat tsevi · 1932-06-01 · Heft 9-10 (Juni 1932) · p. Seite 291

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
II (5692) 1931/32
Issue
Heft 9-10 (Juni 1932)
Date
1932-06-01
Page
Seite 291 (sequence 37)
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291 im Munde führen. Denn auch der Jugendbewegung Blüte ist — das Leben. Unzufriedenheit, Lust an der Kritik sind ein begründetes Vorrecht der Jugend. Während aber das Objekt der Kritik bei der Jugend immer der Andere ist, mit seinen Gedanken und seinen Taten, sollte beim reiferen, schaffenden Menschen das eigene Werk Objekt härtester Kritik sein. Ein Umformungsprozeß ist notwendig, eine Richtungsänderung. Wir bleiben sonst, was wir am Anfang waren: Romantiker mit der Sehnsucht nach der blauen Blume, die irgendwo in dunklen Wäldern hinter hohen Bergen blüht. VI. Um die leibliche, geistige und sittliche Not ihrer Generation soll die Jugend sich kümmern. Den Kampf gegen die ״Großstadtkultur“ soll sie in der Stadt selbst führen, nicht ein Jugendland da draußen sich ersingen und erträumen. Sie soll sich nicht in der Rolle des problemzerquäiten Uebergangsgeschlechtes gefallen, nicht verliebt sein in ihre eigene Problematik. Statt in literarischen Konfessionen einem seelischen Exhibitionismus, einer geistigen Prostitution zu frönen, soll sie gegen zahllose unerfreuliche Einzelerscheinungen im öffentlichen Leben ankämpfen. Sie soll zeigen, wie man an verantwortlicher Stelle es anders und besser machen kann. Die jüdische Jugend in alten Lagern, die so oft Kritik an den Führern im Gemeindeleben übt, da sie bei ihnen jeden konstruktiven Gedanken vermißt, soll selbst die Gemeindestuben erobern. Das heißt nicht, daß alle Gemeindegremien nun besetzt werden von jungen Menschen, die keinerlei Lebenserfahrung haben. Aber bei den Wahlen zu den gemeindlichen Körperschaften soll sie, soweit sie stimmberechtigt ist, für die Kandidaten stimmen, die ein Verständnis und Verantwortungsgefühl gegenüber dem heranwachsenden Geschlecht empfinden. Die in der jüdisch-orthodoxen Jugendbewegung herangereiften Menschen sollen zeigen, daß ihr Lebensstil, ihr jüdisches Wissen, ihr jüdisches Niveau sich wirklich erbebt über die ״baalebatische“ Struktur anderer Familien. Sie sollen ihre Kinder jüdischer erziehen, als sie selbst ihren eigenen Erziehungsweg empfanden. Mit einem Worte: Sie soll zeigen, daß sie am entscheiden-

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