Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 9-10 (Juni 1932)
- Date
- 1932-06-01
- Page
- Seite 289 (sequence 35)
- Belongs to
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289 tonung des Instinktiv-Gefühlsmäßigen (״Wandervogel-Geist“) — oder zielbewußtes Kultur- und Reformstreben. Das heißt: christliche, nationale, auch antisemitische Tendenz — oder kulturpolitisches Wollen mit einem Einschlag von intellektualistischem, internationalem und revolutionärem Geist. Das heißt (sit venia verbo): ״rechts“ oder ״links“. Es wäre nun aber durchaus verfehlt, diese Begriffe rein politisch zu deuten. Der Gießener Univers.-Professor August Messer hat einmal darauf hingewiesen, wie die Stellung zur Philosophie charakteristisch ist für beide Gruppen: Auf der einen Seite die Instinktiven, die Vertreter der alten träumerischen Wandervogelart, Philosophie ablehnend und dabei doch selbst immer wieder in ein naives Philosophieren verfallend, die Ornamentik völkischer und antisemitischer Gesinnung mit Popularphilosophie verbrämend, — und auf der anderen Seite die ״Intellektualisten“, die Philosophie anerkennend und bewußt pflegend, stark beeinflußt von Henri Bergson und der intuitionistischen Philosophie Walther Rathenaus, und dadurch schon human und international gerichtet. Mehrfach zeigte sich bei dieser Gruppe das Bestreben, mit der sozialistisch-proletarischen Jugendbewegung Fühlung zu gewinnen. Der ehemalige preußische Kultusminister Konrad Hänisch deutet diese Annäherungsversuche damit, daß doch für die proletarische Jugend der Sozialismus nicht nur eine Frage der wirtschaftlichen Entwicklung, sondern mindestens in ebenso hohem Grade eine Sache der geistigen und sittlichen Erziehung ist. IV. In der Diskussion um all diese Fragen muß auch die jüdisehe Jugend Stellung nehmen, sieht sie sich selbst ja auch als Objekt der Diskussion behandelt. Die Erkenntnis dieser Sonderstellung, verbunden mit dem Bedürfnis, alle Ursprungliehen Thesen der Jugendbewegung zu bejahen, bedeutet die Geburtsstunde des ersten jüdischen Jugendbundes, des jüdisehen Wanderbundes Blau-Weiß. Seine Ziele waren ursprünglich die des deutschen Wandervogels; nur bedeuteten ״Rückkehr zur Natur“, ״Sport und Wandern“ ein noch neueres und ungewohnteres Ziel für die jüdische Jugend. Ihr ״Heiliger“ ist Ma rtin Buber, dessen mißverstände eher und mißverstandener religiöser Mystizismus eine Art re- /