Mannheim
Compact Memory

Nahalat tsevi · 1932-06-01 · Heft 9-10 (Juni 1932) · p. Seite 288

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
II (5692) 1931/32
Issue
Heft 9-10 (Juni 1932)
Date
1932-06-01
Page
Seite 288 (sequence 34)
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2551369-2551378-2551385--0783-2552281
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

2S& Das sind ,Worte, die Gustav Wyneken damals schrieb, die aber, kaum verändert, überall in den ersten Publikationen der jüdischen .Jugendverbände zu finden waren. Ihr Inhalt setzt voraus, daß ״Jugend“ ein ״Wesensbegriff“ ist, daß Jugend nicht heißt, ein bestimmtes Alter nicht überschritten haben, sondern daß es heißt, eine Qualität haben, die irgendwie auch in höherem Alter da sein kann. ״Jugend“ ist nicht ein Lebensalter, sondern eine Lebensform, eine Form, die allerdings in einem bestimmten Alter den ganzen Menschen formt, während sie später nur ein Formelement neben anderen ist und sein soll. Man weiß ja, daß man sehr alt sein kann und doch sehr ״jugendlich“, und daß man um die ״Zwanzig“ herumkreisen und doch das Beispiel verkalktesten Greisentums abgeben kann. III. Es waren die ״goldenen Jahre“ der Jugendbewegung, als man noch ganz im Menschheitlichen wurzelte und in der Entfaltung sittlichen Lebens den Sinn seines Daseins!fand. Aber es zeigte sich bald, daß die Formulierungen zu abstrakt waren, ihr Inhalt zu wenig faßbar, als daß man eine feste Organisation auf solch ein Programm hätte aufbauen können. Und so bahnte sich recht bald eine Entwicklung an, die die gesamte Jugendbewegung erfaßte und mit Gesetzmäßigkeit immer da auftaucht, wo ein im Irrationalen begründetes Ziel zum Programm einer Gemeinschaft wird. Es setzt ein Konkretisierungsprozeß ein, bei dem die Ziele vom Unendlichen ins Endliche, vom Allgemeinen ins Besondere, vom Weltweiten ins weltanschaulich und parteiisch Begrenzte verlegt werden. In der Freideutschen Jugendbewegung — so nannte sie sich seit der Meißner-Tagung — begann es mit einer Spaltung in der Frage der Neutralität. Die eine Gruppe verlangte, die Organisation der Freideutschen Jugend solle nur solche Vereine ׳umfassen, die ihren Mitgliedern volle Selbstbestimmung ließen, die völlig neutral seien gegenüber allen politischen, wirtschaftlichen und konfessionellen Zweckverbänden. Andere widersprachen dieser engen Begrenzung des Verbandes wie auch jeder festen Organisation, da sie gefährlich sei für die freie Entwicklung der Bewegung. Der tiefere Grund dieser Spaltung war die Frage: Be-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.