Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 9-10 (Juni 1932)
- Date
- 1932-06-01
- Page
- Seite 287 (sequence 33)
- Belongs to
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treten dieser Wanderbünde und akademischen Vereine gaben die Vorbereitungen zur Jahrhundertfeier der Schlacht bei Leipzig. Man wollte kein Fest im herkömmlichen Sinn mit Trinkgelage und Hurra-Patriotismus, man gedachte ein Fest zu feiern, das die Jugend alis Ausdruck ihres eigenen Wesens gestalten wollte. Aus den Vorbesprechungen erwuchs das Bewußtsein innerer Gemeinsamkeit, der Wunsch nach dauerndem Zusammenschluß. Er erfolgte im Oktober 1913 auf dem Hohen Meißner bei Kassel. Gustav Wyneken, der Gründer der Freien Schulgemeinde in Wickersdorf, Ferdinand Avenarius, der Herausgeber des Kunstwarts, und der bekannte Verleger Eugen Diederichs aus Jena standen Pate bei den dort geäußerten Ge-!danken und den Entschlüssen, die ihren Ausdruck in der ״jMeißner-Formel“ fanden: ״Die Jugend will aus eigener Bestimmung, vor eigener Verantwortung, mit innerer Wahrhaftigkeit ihr Leben gestalten. Für diese innere Freiheit tritt sie unter allen Umständen geschlossen ein. Zur gegenseitigen Verständigung werden Jugendtage abgehalten. Alle gemeinsamen Veranstaltungen sind alkohol- und nikotinfrei“. Es ist kein Zufall, wenn das Gebiet um den Hohen Meißner das Tagungsgebiet auch der jüdischen Jugendbünde in Deutschland geworden ist. Mehr als die landschaftlich‘ schöne, geographisch und verkehrstechnisch günstige Lage (die ja schließlich bei der Einberufung der Meißner-Tagung 1913 entscheidend war) ist es das Bewußtsein einer Art Whhlverwandtschaft, hier Formulierungen eigenen Sehnens und Denkens gefunden zu haben, das immer wieder unsere jüdischen Bünde zairn Hohen Meißner trieb. ״Die Jugend, bisher nur Anhängsel der alten Generation, aus dem öffentlichen Leben ausgeschaltet, angewiesen auf eine passive Rolle des Lernens, auf eine spielerisch-nichtige Geselligkeit, beginnt sich auf sich selbst zu besinnen. Sie versucht sich selbst ihr Leben zu gestalten, unabhängig von den trägen Gewohnheiten der Alten, den Geboten einer häßlichen Konvention. Sie strebt nach einer Lebensführung, die jugendlichem Leben entspricht, die es ihr aber zugleich ermöglicht, sich selbst und ihr Tun ernst zu nehmen und sich als einen besonderen Faktor in die allgemeine Kulturarbeit einzugliedern.“