Mannheim
Compact Memory

Nahalat tsevi · 1932-06-01 · Heft 9-10 (Juni 1932) · p. Seite 286

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
II (5692) 1931/32
Issue
Heft 9-10 (Juni 1932)
Date
1932-06-01
Page
Seite 286 (sequence 32)
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2551369-2551378-2551385--0781-2552279
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

28 6 Bewegung hin, und mag es in vielen Fällen auch nur ihr,e äußere Form, oft ihre Arbeitsmethode sein, die man ihr absieht, der Einfluß ist überall erkennbar. Am wichtigsten aber ist folgendes: Neben den Erziehungsfaktoren, die bisher das Leben eines Jugendlichen formten, neben Elternhaus und Schule, tritt heute übermächtig der Jugendbund. Man mag diese Tatsache beklagen und bedauern, das ändert nichts daran, daß dieser neue Erziehungsfaktor den ganzen Menschen weit mehr ergriffen hat als die beiden erstgenannten zusammen. Die Jugendbewegung zwang zur Stellungnahme, und weder an Schule noch an Elternhaus ist sie spurlos vorübergegangen. Der Begriff des ״wohlbehüteten Elternhauses“ ist geschwunden, man überläßt auf Wochen und Monate die Kinder ganz dem Einfluß der Jugendbünde, und die Schule sucht durch Landheime und vollkommen veränderte Beziehungen zwischen Schülern und Lehrern das nachzuholen, was sie im Zeitalter der ״Lernschule“ verabsäumt hat. II. Was verstehen wir nun unter Jugendbewegung? Im ursprüngliehen Sinne bedeutet sie eine lose organisatorische Zusammenfassung der Jugendlichen, die sich zu einer vertieften Verarbeitung der wichtigsten Lebensprobleme verpflichtet fühlen. Die Wandervögelbünde waren der günstigste Nährboden für solche Gemeinschaftsbildung, romantischer Sinn, Lust am Wandern, Streben nach Natürlichem, Einfachem und Reinem, nach Karneradschaft statt nach schwülem Flirt ließ sie mit der Zeit gewaltig anwaclisen; Abneigung (gegen den pedantischen Lernbetrieb der Schule, die mondäne Großstadtkultur und den engherzigkorrekten Familiengeist charakterisieren ihre ״Flegeljahre“. Man sieht an diesen Vokabeln, es ist von vornherein eine Mischung von Gefühlsmäßig-Instinktivem mit ganz bewußtem Kultur-und Bildungsstreben. Es bildeten sich studentische Vereinigungen, die sich im Gegensatz fühlten zu den herkömmlichen färbentragenden Korporationen mit ihrem alkoholisierten Couleurbetrieb, ihrem Duell- und Trinkzwang. Sie faßten sich als Erziehungsgemeinschaften auf und waren bemüht, das Verbindungsleben gesünder zu gestalten und zu veredeln. Diskussions- und gesellige Abende, künstlerische Feste. Turnen, Sport und Wandern bildeten Weg und Ziel dieser Verbände. Den ganz zufälligen Anlaß zum ersten gemeinsamen Auf-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.