Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 9-10 (Juni 1932)
- Date
- 1932-06-01
- Page
- Seite 285 (sequence 31)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2551369-2551378-2551385--0780-2552278- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
jüdische Jugendbewegung. Von Dr. Harry Abt. Vorbemerkung: In den nachstehenden Ausführungen soll versucht werden« eine Charakteristik der jüdischen Jugendbewegung zu geben. Einem einleitenden Aufsatz über das Wesen der Jugendbewegung folgen Darlegungen über den Kameradenbund« den Jung-jüdischen Wanderbund (ßrith Haolim), Kadima« ßrith Trumpeldor und über den Esra. Als Quelle zu diesem speziellen Teil dienten dem Verf. die verschiedenen ßundesorgane« außerdem mündliche Mitteilungen von führenden Mitgliedern der einzelnen Verbünde. 1. Es bedarf wohl kaum einer Rechtfertigung, in einer Zeitschrift ,für ״Lehre und Tat im Judentum“ über Jugendbewegung teu schreiben. Noch ist es nicht möglich, ein Urteil zu fällen, ob diese Strömung zu Beginn des 20. Jahrhunderts etwas Einmaliges, eine singuläre Erscheinung ohne tiefere Bedeutung ist, oder ob mit dem Aufkommen dieser Bewegung dauernde Umschichtungen auf geistigem und wirtschaftlichem Gebiete sich vollziehen, deren Tragweite heute noch nicht zu übersehen ist.!Will man jedoch die Physiognomie unserer Gegenwart — auch der jüdischen — zeichnen, dann ist es undenkbar, den Anteil der Jugendbewegung an ihrer Struktur außer acht zu lassen. In der Psychologie, der Literatur, in der bildenden Kunst, in der Politik, auf allen übrigen Gebieten geistigen Lebens spüren wir ihre Wirkung, und in den leidenschaftlichen Auseinandersetzungen über Wirtschaftsformen sind es diese jugendliehen Kreise, die gebieterisch nach Entscheidung drängen, da alle Probleme für sie nicht Objekte akademischer Diskussionen sind, sondern unmittelbarste Lebensfragen. Vielleicht ist die Verworrenheit und Unklarheit so mancher Problemstellung aus der starken Mitarbeit der Jugend an den Lösungsversuchen aller Art zu verstehen, doch besagt diese Vermutung nichts gegen solche Mitarbeit, erst recht nicht will sie den Anschein erwecken, als ob die ältere Generation allein fähig wäre, alle bezeichneten Fragen zu meistern. Schon der hündische Charakter — zuweilen ordensmäßig — den heute, im jüdischen und nichtjüdischen Lager, religiöse und politische Organisationen annehmen, weist auf die Jugend-