Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 9-10 (Juni 1932)
- Date
- 1932-06-01
- Page
- Seite 282 (sequence 28)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2551369-2551378-2551385--0777-2552275- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
282 Gewissen ist der Jude verantwortlich. Was Wunlder, daß dann das Gewissen bei Einzelnen angesichts der Leidenschaften, der Geldgier, des Egoismus ganz verstummt? Was Wunder, daß, wo kein Gottesgesetz mehr spricht, keinerlei Bindung mehr existiert? Ist Tauroh, Talmud und Schulchän Oruch ewiges göttliches Gesetz, dann gut; sind sie ejs! (nidht — dann hört dem Menschengesetz, das von keiner Staatsautorität gestützt wird, die Gefolgschaft auf. Der Liberalismus verwarf dein Din, um das ״Zeremonialgesetz“ abzuschütteln. Das ״Sittengesetz“, daS er retten w o 11te, mußte als Halbes, als freiwillig geübtes Gewissensgesetz in Kürze zusa!mmenbrechen. Der Liberalismus hat dem sittlichen Hochstand der Juden den Todesstoß gegeben. * * * Eine hochwertige, in sozialer, kultureller, geistiger und sittlicher Hinsicht vorbildliche Nation will der Zionismus! aus dem jüdischen Volke machen. Jedes Unrecht, jedes Ver-!brechen seitens eines Volksgliedes ist ihm Unrecht und Verbrechen an der jüdischen Nation. Er würde den Verbrecher strafen wie jedes andere Volk, weil er sich an der Gesamtheit versüindigt. Aber welchen Weg an sich, vor Gott, in seinem Innern, der Mensch geht, ist dem Zionismus Privatsache. Die Volks- Zugehörigkeit des Einzelnen wird dadurch nicht berührt. Das Erziehungsziel, das die Nation ihren Gliedern setzt, ist ein von menschlichen Meinungen bestimmtes, von zeitlicher Auffassung bedingtes. So teilt der Zionismus das Los des Liberalismus: Es bestimmt sich jeder seinen Wieg; nach eigenem׳ Urteil, bestenfalls nach dem jeweiligen Volksbewußtsein. Und Wenn dieses versagt? Dann muß der Zionismus sagen: So wie es in jedem Volk gute und schlechte Menschen gibt, so auch bei uns; wir werden das zu ändern nie imstande sein. In dem Mosaik des Volks ganzen gibt es ja auch Gottesgläubige und Gottesleugner; Sabbathaltende und Sabbatschänder. Warum dann nicht auch Edeldenkende und — Verbrecher? Bedauerlich und den Edlen tief schmerzend; aber bei einer reinen Nationsauffassung Unabänderlich. Auch der Zionismus wird die Judenh'eit vor Verwilderung nicht schützen können. Ebenso wenig, wie die jüdische Nation — ohne Gott — jzur Zeit des Tempels sich vor Verwilderung bewahrte.