Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 9-10 (Juni 1932)
- Date
- 1932-06-01
- Page
- Seite 281 (sequence 27)
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251 Tat-für möglich gehalten, daß bei der Masse der Juden ohne Tauroh,!ohne Talmud, ohne Schulchan Oruch doch Güte, Sittlichkeit, Gerechtigkeit, Charaktergröße sich auf die Dauer halten könnten? Wir hielten! es für möglich. Wir meinten, daß bei lunfrommen Juden das anständige Menschentum auch bei der Masse auf die Dauer gesichert sei. Wir waren nicht von vornherein alle fest überzeugt, daß dem Abfall vfoim, die geschlossene Persönlichkeit erziehenden und erzielenden, Din auch bald der katastrophale Zusammenbruch der m e n s c hliehen Werte folgen müsse. Wir hätten die Verwilderung des deutschen Judentums sonst voraus sehen müssen. Das war unser Fehler. Es war eine Aweroh, daß wir zu wenig Emunoh zur ‘alleinigen Erziehungsmöglichkeit durch Tau roh hatten. Und der Liberalismus? Der Zionismus? Die Einheitsorthodoxie? Auch ihre Ideen und Ideale gleich uns in schreiendem Gegensatz zu den angeführten Verwilderungserscheinungen. Auch ihre Bekenner, gleich uns, wenden sich voll Abscheu von den entarteten Glaubens- oder Volksbrüdern ab. * * * Aber: der Liberalismus hat die Herrschaft des Din in Deutschland zerbrochen. Er hat der Masse des deutschen Judentums, — die ihren Weg ja ohne liberale Ueberzeugung einfach nach ihrem Gutdünken ging — bestätigt, daß jeder nach seinem eigenen Gewissen sich seinen Weg bestimmen dürfe, daß es ein Schritt und Tritt des Juden regelndes Gottesgesetz nicht gebe, daß jeder sich seinen Schulchan Oruch selber schreiben dürfe. Er hat dem Empörer gegen die Richtschnur des Din!bestätigt, daß er ein guter Jude und seine Ansicht vom Judentum die rechte sei. Drei Tage nach, dem Tode des Menschen — erzählt der Talmud — spaltet sich sein Leib, der Unrat in seinem Innern kommt zum Vorschein: hier nimm, was du gegessen hast. Drei Generationen, nachdem durch den Liberalismus die Herrschaft der Tauroh im deutschen Judentum erstorben ist, kommt Unrat aus dem Innern der deutschen Judenheit zum Vorschein: hier habt ihr, was eure Nahrung wurde. Es lehrte der Liberalismus: Der Din ist nicht mehr bestimmend. Jeder darf sich aus seiner Religion das heraussuchen, was ihm gefällt, das verwerfen, was ihn stört. Nur vor seinem׳