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Nahalat tsevi · 1932-06-01 · Heft 9-10 (Juni 1932) · p. Seite 270

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
II (5692) 1931/32
Issue
Heft 9-10 (Juni 1932)
Date
1932-06-01
Page
Seite 270 (sequence 16)
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270 der auch in unserer besonderen Epoche die besonderen historisehen Formen sozialer Befreiung annehmen kann. Wenn der Prophet in höchster Begeisterung ausruft: פתח חרצבות רשע! — dja tönt steine Aufforderung z:ur Freiheit auch direkt an die lunsrige Zeit. Auch auf diesem Problemgebiete sollen hier keine Lösungen vorgeschlagen werden. Aber glaubt die jüdische Religion, daß sie keine Stellung zu den unsäglichen Leiden der Welt einzunehmen braucht? Soll sie ,nicht darüber nachdenken, ob die jüdisch-religiösen Massen ein wirtschaftliches, ein sittliches Interesse daran haben, eine privatkapitalistische Ordnung zu unterstützen? Ob nicht einmal die harte Fron der מלאכה in eine עבודה im doppelten Sinne dieses Wortes \verwandelt werden sollte? Denn die Synagoge ist nicht imstande, die soziale Zerklüftung auch des jüdischen Volkes zu verbergen. Die Synagoge enthält in sich auch heute etwas, was!sie von allen existierenden Kirchen unterscheidet. Dies ist das in ihr verkörperte Märtyrert;u;m, das in Tausenden von Jahren, aber auch in der immer möglichen Zukunft die!Juden als solche zu einer Leidensgemeinschaft zusammenschweißt. Jedoch selbst dieses Moment der jüdischen Geschichte ist nicht fähig, die draußen vor der Synagoge real existierenden sozialen Unterschiede auszumerzen. Wenn eine Religion zu den ihre Gemeinde quälenden Kämpfen schweigt, dann ist es kein Wunder, wenn auch um sie herum ein Schweigen der Gemeinde herrscht. III. Zivilisation. Die Menschheit stöhnt unter der Last der Wunder der Technik und der Schätze der modernen Zivilisation. Die Großstadt und der Großbetrieb, die Maschine und der Weltverkehr haben einen Zustand geschaffen, in dem Geist und Seele des Einzelmenschen verkrüppelt werden. In dem Flusse der Massengeschehnisse verliert der moderne Mensch, der jüdifsche vielleicht mehr als die anderen, die Fähigkeit, mit seinem > eigenen Innenleben unter vier Augen zu bleiben, siclT auf seine Lebensziele zu besinnen. Soll diese zivilisatorisdhte Entmenschlichung des Menschen so endlos weitergehen? :Hat der religiöse Jude zu diesem Problem1 etwas zu sagen? Ist die Aufgabe der Religion in der modernen Zeit,!sich einfach in das gewaltige technische Getriebe einzuschalten oder darf

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