Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 9-10 (Juni 1932)
- Date
- 1932-06-01
- Page
- Seite 268 (sequence 14)
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26» flüstert ihm diese gar ,nicht unwichtigen Einwände zu. Der tnxchkundige fromme Jude wird sich sogar auf Jesaia berufen, der sein Friedensideal auch nur באחריה הימים verwirklicht zu sehen hofft. Und doch: eine Religion, die maximalistisch ist, die den Satz kennt יהרג ועי* יעביר kann sich schwer vor solchen Einwänden beugen. Auch das באחרית הימים ist kein Gegensatz zu den באלה הימים. Nur durch das weltumgestaltende Handeln ״in diesen Tagen“ wird einmal das Verkündete ״in den letzten Tagen“ Zustandekommen. Es soll hier keine Antwort auf die Frage des Militarismus unterschoben werden. Aber sollte sich nicht die jüdische Gemeinschaft als eine religiöse mit ihr offen auseinandersetzen? II. Soziale Not. Es handelt Sich dabei um die materielle Not der Mensehen, um das Fehlen jeglichen Lebensminimums, um Un- Sicherheit und Auswegslosigkeit der heutigen wirtschaftlichen Ordnung. Der arbeitende Mensch, der jüdische Mensch insbesondere, ist heute in allen Ländern ohne Ausnahme durch diese materielle Not gedetnütigt und geschändet, wie kaum eine Kreatur in der Welt. Es gibt kein Entrinnen mehr aus dem sozialen Problem. Die Frage lautet: hat der religiöse Jude als solcher etwas Entscheidendes und für ihn Verpflichtendes zu der sozialen Frage zu sagen? In der eben veröffentlichten Arbeit von Rabbiner Raphael Breuer s. A. (״Der jüdische Marxismus“ in Nach’lath Z’wi“ vom März 1932.) lesen wir: ״Das Judentum lehrt in schroffstem ׳Gegensatz zum Marxismus: nicht Vom Brote allein lebt der Mensch“. Soll das bedeuten, daß die materielle, den Mensehen demütigende Frage des Brotes (ואם תאמר מה נאכל) nicht im Zentrum seines Lebens stehen darf? Gewiß ist es ■wahr, daß diese Frage ׳unmöglich die Grundlage des Menschenwesens und Strebens bilden darf. Aber ist es nicht tumsom'ehr wahr, daß man sie g r ü n d 1 i c h lösen, aus der Welt schaffen muß, damit sie eben aufhört, Grundlage des Lebens zu sein? Gewiß, wir kennen den Spruch אם אין תורה אין קמה : ohne Geist und Lehre kein materieller Genuß! Aber steht ,nicht hart an diesem Spruch der andere: אם אין קמח אין תודה: ohne Befriedigung materieller Nöte keine Herrschaft des Geistes! Der fatale ■Fehler des Marxismus besteht nicht darin, daß er die Materie — Brot in den Vordergrund gerückt hat, sondern darin, daß!er diese