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Nahalat tsevi · 1932-06-01 · Heft 9-10 (Juni 1932) · p. Seite 264

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
II (5692) 1931/32
Issue
Heft 9-10 (Juni 1932)
Date
1932-06-01
Page
Seite 264 (sequence 10)
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264 Paran und Esau, Kusch und Teman wollen sich retten aus dem Chaos. Nicht warten, bis sie rufen, sondern als Owed ihren Zelten einen Platz weisen im Schatten des Sinai. Das ist Erfüllung des halb geahnten, halb bewußten Wunschgedankens des ersten Weltkongresses in der Juden« frage. P. K. Über jüdische Religiosität. Von Dr. J. Steinberg, Berlin. Gibt es heutzutage eine jüdischeReligion als stabiles und geschlossenes Ganze? Jawohl, es gibt. Gibt es heutzutage eine jüdische Religiosität als stabile und eindeutige Erscheinung? Nein, es gibt kaum. Versteht man unter Religion eine ״kirchliche“ Organisation, eine durch Jahrtausende geheiligte Tradition, einen von den Gläubigen unzweifelhaft anerkannten Kultus, dann ist die jüdische Religion stabil. Trotz aller Stürme der Zeit lebt sie überall, wo jüdische Massen leben: in Polen, Litauen, Lettland, Rumänien, Amerika, Palästina, selbst Sowjetrußland und Deutschland. Versteht man aber unter Religiosität organische Durchdringung des Lebens — des Menschen und der Gemeinschaff — mit religiösen Werten, schöpferische Fähigkeit, mit der Tradition über die Tradition hinaus das Innen- und Außenleben weiterzubauen, Verflechtung der Tagesnöte und Pflichten mit den Aufgaben eines Ewigkeitslebens, — dann ist jüdische Religiosität zurzeit im Schwinden begriffen. Was ist aber Religion ohne Religiosität? Das jüdische religiöse Leben konzen-. friert!sich faktisch in oder um die Synagoge; die Synagoge aber wird zu einer der vielen Organisationen der jüdischen Volksgemeinschaft. Das soziale, wirtschaftliche, geistige, sittliche Leben der Massen, insbesondere der Jugend, fließt parallel dem synagogalen, fast ohne sich gegenseitig zu durchdringen. In den aufgeklärten aktiv wirkenden Schichten des Volkes entweder eine Beziehung der Gleichgültigkeit, oder eine literarischdichterische ״Verarbeitung“ der religiösen Elemente der jüdisehen Volkskultur, oder eine Verwertung der religiösen Tradition zum Nutzen der national-jüdischen Bewegungen. Man setzt die Religion voraus, man setzt sich mit ihr nicht mehr ausein-

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