Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 9-10 (Juni 1932)
- Date
- 1932-06-01
- Page
- Seite 263 (sequence 9)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2551369-2551378-2551385--0758-2552256- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
263 Echo zu diesem unjüdischen Wunsch der Juden, zu sein wie die Völker ringsumher. ׳ In irgend einer Form müssen wir aber unsere Sehnsucht nach Rettung und Erhaltung der Menschheit zum Ausdruck zu (bringen;verstehen. Es müßte ein Weg gefunden werden, um׳ in all diese Abriistungsikonferenzen auch einmal die Idee der Abrüstung der Gesinnung )zu werfen. Leicht möglich, daß diese Welt dem milden Lächeln der Ewigkeit das höhnische Grinsen des Machtbewußtseins entgegenlacht. Aber es wäre ein Lachen des Todes. Denn die Gottlosigkeit, die Gottesferne aller dieser Beratungen stützt ja letzten Emdes die Gottlosenbewegung, welche heute, wohl organisiert, fast an jeder Tür pocht. Einst!hat König David, als er die schale Inhaltslosigkeit der Weltkongresse!erschaute, flehentlich die Hand erhoben und mutvoll den Königen die Bitte zugerufen, sie sollten doch einmal zur Klarheit des Blickes sich durchringen. Das Volk der Psalmen könnte diesen Ruf wiederholen. Es würde Erfolg haben, wenn es in eigenem Kreise damit Ernst macht. Ob im Gebiete der wirtschaftlichen Betätigung, ob im Bereiche der Gemeinde, das kindische Spiel mit Machthunger und ,Unterdrückung, ׳mit den von außenstehenden Faktoren erborgten und erbettelten Befugnissen zur Verfolgung der Sinaibrüder muß aufhören. Wenn in Israel selbst die Schwachen getreten und ihr Gewissen geknechtet wird, wie könnte man es Stärkeren aus dem Völkerkonzert verargen, wenn sie ihr Mütchen an dem schwachen Juda kühlen. Wenn dann wieder einmal Ratlosigkeit und Leerlauf in den Konferenzen der Erdenherren eintritt, dann wäre die Stunde gekommen, in der das Sinaivolk gebend auf die Bühne tritt, um der Welt die schlichte Kunde zu bringen, daß es bei uns ßogar im praktischen Leben der ersten Gemeinschaftsform der Familie den Gedanken eines Goel, eines Schützers der Schwachen und Hilflosen gibt. Es könnte sein, daß selbst die Bileams der Weltgeschichte, die Balaks der Politik aufhorchen. Und man würde ihnen dann erzählen, daß einst ein schwaches Weib, eine Ruth, gesagt hatte: Dein Gott ist mein Gott, und daß dann das Kind dieser auf den Thron gehobenen Schwäche den Namen Owed erhielt, d. h. berufen zu Dienst an anderen.