Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 7-8 (April 1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- Seite 250 (sequence 61)
- Belongs to
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250 kenntniskraft. Es ist auch dem Verstandesauge sichtbar, setzt auch das Begriffsvermögen in starre Verwunderung. ,Wer freilieh die Völkergeschichte bejaht, in der immer noch wachsenden Anarchie des geschichtlich gewordenen Menschen- Nebeneinander sich durchaus wohl fühlt, die geschichtlich gewordene Menschenwelt mit ihrem unsäglichen Jammer nicht minder für einen Kosmos hält, wie etwa die Ordnung der Natur: der wird, als Persönlichkeit, das metahistorische Wunder der jüdischen Nation nicht zu ״erleben" vermögen, weil er, als Persönlichkeit, nicht reif ist, die staubbedeckten Schuhe seines;Philisterwandels auszuziehen und einen Standort einzunehmen, von dem allein der Boden göttlichen Geschichtswirkens [überschaut werden kann. Nicht zu seiner Persönlichkeit wird das Geschichtswunder Gottes sprechen, nur sein Verstand wird es betasten, wird es zu be־greifen suchen und nicht eher ruhen, bis auch es dem Inventar erstorbener Erfahrung anheimfällt. Wer aber die ganze bisherige Völkergeschichte radikal verneint, wer die ganze Furchtbarkeit des bisherigen geschichtlichen Menschen-Nebeneinander völlig durchschaut, das Geschichtsproblem des Innen und Außen ewig kreisenden Schwertes schmerzhaft tagtäglich ״erlebt", wem also überhaupt die Geschichte der Völker nicht tote Verstandeserfahrung, sondern glühend lebendiges Persönlichkeitserlebnis ist, dem wird das metageschichtliche Wunder der jüdischen Nation in seiner geweissagten Durchkreuzung aller und jeder Geschichte, in seinem geweissagten Protest gegen die nicht durch Gottes Recht, sondern durch Menschenwillkür beherrschte geschiehtliehe Menschenwelt zum grandiosesten Erlebnis seiner Personlichkeit, deren ganzes bisheriges Geschichtserlebnis durch das metageschichtliche Erlebnis der jüdischen Nation nicht nur Bestätigung und Bestärkung, sondern auch Zielweisung und Aufgabensetzung erhält. Wie könnte es anders sein? Nur wer Geschichte erlebt, kann Metageschichte erleben. Wem Geschiehte stumm ist, zu dem kann auch Metageschichte nicht sprechen. Das Erlebnis des metahistorischen Wunders der jüdischen Nation bedarf nicht der Einsicht in seine, die Naturkausalität durchbrechende, metaphysische Bewirktheit. Die jüdische Nation ist eine geschichtliche Wundererscheinung nicht vermöge ihres metaphysischen ״Warum", sondern vermöge ihres metahistorischen ״Was“. Ihr Vorhandensein als solches, in seiner geweissagten Einmaligkeit gilt es zu ״erleben", gilt es lebendig