Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 7-8 (April 1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- Seite 249 (sequence 60)
- Belongs to
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249 solcher, und kann er ihn nicht von Bekanntem ableiten, so wird er ihn lediglich als ״wissenschaftliches Problem“ gelten lassen, dessen Lösung noch aussteht. Das ״Erleben“ eines metaphysischen Wunders, seine lebendige Aufnahme, setzt die Bereicherung der erlebenden Persönlichkeit um eine schauende Erkenntnis voraus, die das Wesen des Vorgangs in seiner unmittelbar göttlichen Verursachtheit erfaßt und der Krücke der der iVerstandesbegriffe nicht mehr bedarf. Das Erlebnis eines metaphysischen Wunders bedeutet daher nicht unbedingt eine dauernde Bereicherung der Persönlichkeit. Nicht die Personlichkeit als solche erlebt das metaphysische Wunder, sondern die zeitweilig um die Gabe schauender Erkenntnis bereicherte Persönlichkeit. Schwindet diese Gabe wieder, so schließen sich die Himmel, und ob es der Persönlichkeit gelingt, auch ohne diese Gabe, auch im Reich alltäglicher Erfahrung, die das erlebte metaphysische Wunder gar nicht mehr begreift, das Wunder sich selbst lebendig und damit lebengestaltend zu erhalten, bleibt eine offene Frage. Israel in der Wüste bildet hierfür ein lehrreiches Beispiel. Nicht die eigene Kraft der Persönlichkeit gestaltet das metaphysische Wunder zum Erlebnis, die Persönlichkeit hat an sich kein Organ, dieses Erlebnis aufzunehmen. Die von Gott geliehene Kraft anschauender Erkenntnis (durchbricht den Schleier materieller Kausalität und gewinnt momentanen Einblick in das metaphysische Wirken Gottes. Das Erleben metaphysischen Wunders ist Begnadung. Das metaphysische Wunder auch nach Fortfall der Begnadung als Lebendiges festzuhalten: nicht viele haben es vermocht. — Ganz anders das Erleben eines metahistorischen Wunders. Das metahistorische Wunder der jüdische Nation, seitdem es in seiner geweissagten Ungeheuerlichkeit geschichtliche Wirklichkeit geworden ist, macht jedes neue metaphysische Wunder überflüssig. Die Allmacht Gottes hat seitdem ein offenes metaphysisches Wunder nicht mehr hervortreten lassen. Alfred Roden;sieht auf die Blätter des Weissagung und begreift die Waltung der Allmacht: Wer das metageschichtliche Wunder der jüdischen Nation nicht zu ״erleben“, nicht!ebengestaltend zu machen vermag, dem würde erst recht das Meer sich! vergebens spalten, Sinais Donner erst recht vergebens erschallen. Das metageschichtliche Wunder der jüdischen Nation erheischt, um ״erlebt“ zu werden, keine besondere Begnadung mit, dem sterblichen Menschen sonst versagten, anschauender Er-