Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 7-8 (April 1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- Seite 248 (sequence 59)
- Belongs to
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34a nicht der Verstand, denn er ist nur eine Teilfunktion des Lebendigen. Lebendig ist nur die aktuelle Persönlichkeit. Sie allein, in ihrer unteilbaren Einheit, kann daher nur erleben. Sie;erlebt aber nicht, indem sie den Verstand ausschaltet und sich dadurch wiederum — verstümmelt, oder indem sie den Verstand niederzwingt und sich dadurch verkümmert: sie erlebt, indem sie als lebendige Einheit aller ihrer Funktionen, als der ,lebendig gebliebene Extrakt aller inzwischen längst abgestorbenen Lebenserfahrungen, indem sie als Lebendiges ihr Leben mehrt durch Hingabe an anderes Lebendige, durch Hereinnahme, schließlich, des anderen Lebendigen zu ihrem eigenen Leben. Beschreiben läßt sich diese Erkenntnis der Persönlichkeit nicht. Nur durch Vergleich läßt sich das Gemeinte andeuten: etwa wie der Künstler eine historische Persönlichkeit erfaßt, etwa wie der Freund den Freund begreift, etwa wie der Liebende die Geliebte wählt: Lebendiges erscheint Lebendigem, Lebendiges wird von Lebendigem ״erlebt“. — ״Erleben“ in diesem Sinne heißt nicht phantasieren, heißt nicht!schwärmen, nicht Illusionen nachjagen und ganz gewiß nicht der objektiven Wahrheit ein subjektives Dafürhalten entgegensetzen. ״Erleben“ in diesem Sinne heißt ganz im Gegenteil die ״Wirklichkeit“ mit höchster Genauigkeit aufnehmen und der Teilerkenntnis des Verstandes die Totalerkenntnis der Persönlichkeit berichtigend und ergänzend anzufügen. Erleben hat das verstandesgemäße Forschen nicht zu Scheuen. Das Objekt des Erlebens ist genau das Gleiche, wie das Objekt des Verstandes. Nur daß das Erleben des Objekts eine weit umfassendere wesenerschließende Erkenntnis vermittelt, als das nur an den äußeren Zusammenhängen haften bleibende Verstehen des Objekts. Wer freilich objektives Erleben mit!subjektivem Rausch verwechselt, erlebt höchstens — sich' selbst.- Welch eigenartiger Unterschied besteht doch, denkt Alfred Roden, zwischen dem Erleben eines metaphysischen Wunders und (dem Erleben eines metahistorischen Wunders. Das metaphysische Wunder vollzieht sich im Reiche der Natur. Auch an es reicht verstandesmäßiges Erkennen nicht heran. Der Verstand, vor ein metaphysisches Wunder gestellt, fragt wiederum nur sein ewiges ״Warum“. Auch das metaphysische Wunder will er dem toten Schatz seiner ״Erfahrung“ einverleiben. So bleibt ihm nur der außerordentliche Vorgang als