Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 7-8 (April 1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- Seite 247 (sequence 58)
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247 fahrbaren Gewalt der Lohe herausheben, ihn Feuersmacht überwinden lassen: nicht das, aus dem ganzen Vorgang sofort wegführende, voreilige, vorlaute, tötende Spüren nach dem ״Warum“, sondern völliges Hingegebensein an das ungeheuere ״Was“, aufgeschlossenes ßereitsein zur Aufnahme dieses ״Was“, lebendiges Einswerden mit dem lebendigen ״Was“ vermag das Wunder eines geschichtlichen Phänomens aufzunehmen, ohne es auf dem Wege des Innewerdens zu — töten. ״Erleben“: viel gebrauchtes, viel mißbrauchtes, selten verständenes Wort. Und doch hätte schon sein Gegensatz es vor jeder Verkennung schützen müssen. Es ist aber der Gegensatz vom ״Erleben“ nichts anderes als: ״Ersterben“, ln jedem Menschen ist Totes und in jedem Menschen ist Lebendiges. Lebendig ist ihm freilich meist nur die — unmittelbare — Gegenwart, seine eigene Gegenwart. Das Vergangene ist ihm tot, ruht ihm in der Leichenkammer seiner hinter ihm liegenden Erfahrung. Diese Erfahrung ist der eigentliche Gegenstand verstandesmäßiger Erkenntnis. Die Einverleibung lebendiger Gegenwart in die Leichenkammer der Erfahrung als erstorbener Gegenwart ist das Gegenteil des ״Erlebens“, ist eben das ,;Ersterben“ der Gegenwart. Es ist die gewöhnliche Art, in der Sieb der Mensch zu den Erscheinungen verhält, die von außen an ihn kommen. Auf dem höchst komplizierten Weg der Aufnahme, der Verinnerlichung eines Vorgangs von außen, Verliert dieser sein ״Leben“, um als ein Erstorbenes dem bereits erstorbenen zugefügt zu werden. Der Verstand ist ein ungemein geschickter — Anatom. Er viviseziert das von außen kommende Lebendige und bei dieser Gelegenheit — tötet er es. Was auf diese Weise erfaßt wird, ist nur noch die Leiche des ehemals Lebendigen. Der Verstand ist das Organ des ״Er- Sterbens“, Verstandeserkenntnis ist das Gegenteil des ״Erlebens“. ״Erleben“ bedeutet nichts anderes, als die unendlich hohe Forderung, einen Vorgang von außen in sich aufzunehmen, ohne ihm sein ״Leben“ zu rauben, bedeutet die Einreißung der Mauer, die sonst den Menschen von der Außenwelt trennt, bedeutet nicht etwa ein rein subjektiv-individuelles Erfassen, sondern gerade im Gegenteil höchste Objektivität, die sich an das Objekt des Erlebens zunächst einmal ganz und gar verliert; um es in seiner lebendigen Einmaligkeit völlig unversehrt als Lebendiges an sich zu reißen und in sich zu bewahren. Nur das Lebendige kann das Lebendige erleben. Lebendig aber ist