Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 7-8 (April 1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- Seite 244 (sequence 55)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2551369-2551378-2551384--0734-2552231- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
244 ganz (gewiß nicht leicht entschließen, denn ist er selber Jude, wird 1er gar sehr die Befürchtung hegen, mit einer solchen Zweiteilung Anstoß in der wissenschaftlichen Republik — und nicht nur in ihr! — zu erregen; und ist er Nichtjude, wird es ihm große Ueberwindung kosten, solchermaßen den ״Nimbus des auserwählten Volkes“ seines Teiles zu erhöhen oder erneut zu begründen. Aber wenn er wirklich in ehrlicher Wissenschaftlichkeit verfahren will, wird ihm eine andere Möglichkeit (nicht offen stehen: ״Weltgeschichte in zwei Teilen. Erster Teil: die jüdische Nation. Zweiter Teil: die übrigen Nationen.“ Architektonisch macht sich das schlecht, das ist wahr. Die numerische Winzigkeit der im ersten Teil behandelten Nation, ihre realpolitische Bedeutung auf dem Schauplatz des ״ewig kreisenden Schwertes“ steht in einem ungeheuerlichen!Mißverhältnis zum Gegenstand des zweiten Teiles. Aber architektonische Gesichtspunkte haben schließlich zurüickzutreten, wo es um die geschichtliche Wahrheit geht. Die geschichtliche Wahrheit ist die, daß die jüdische Nation wie ein Findling inmitten der übrigen Nationen ragt, einsam und unter sie nicht rechenbar. Gewiß ,wird der Geschichtschreiber, als Mann der Wissenschaft, )sich verpflichtet fühlen, die ״Gründe“ dieser außerordentlichen Erscheinung zu erforschen und :zu entwickeln. Er sieht die jüdische Nation seit vielen, vielen Jahrhunderten vom!zehrenden Feuer der Nationen, unter die sie versprengt ist, umlodert: ״Ich will doch hingehn und dieses große Gesicht isehn. Warum wird der Dornbusch nicht verzehrt?“ Und ganz gewiß nicht wird er sich mit dem Wort begnügen, das ׳einst Moses entgegentönte: ״Nahe dich nicht bis dorthin. (Deine Schuhe ziehe weg von deinen Füßen, denn der Standort, auf dem du stehst —, heiliger Boden ist er!“ — Ganz gewiß nicht. Ein Wunder zu sehen, bedarf es der Aufgeschlossenheit,!es sehen zu können. Diese Aufgeschlossenheit wird dem Geschichtschreiber fehlen. Das Wunder des jüdischen Volkes zugeben, hieße Seiner ״Schmach“ für immer entfernen. Zu früh! Zu früh! Noch haben die Zeiten sich nicht;(erfüllt.... Und 60 wird er mit latschen Schuhen den geweihten Boden jüdischer Geschichte betreten und Gottes Engel so wenig wahrnehmen, wie der Eselin Herr, wie Bileam. Er!wird den Dornbusch analysieren. Er wird feststellen,