Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 7-8 (April 1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- Seite 240 (sequence 51)
- Belongs to
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240 Von der Geschichte her war Alfred Roden an die Schrift gekommen. Keine Spekulationen über Gott und Gottes Wesen, keine ,wissenschaftliche Neugierde nach Entstehung und Ent- Wicklung des Weltalls, nicht einmal die ewige Frage nach der Freiheit des Menschenwillens: die nackte Menschennot hatte ihn getrieben, wie sie ihn aus seiner eigenen Lebensgeschichte und aus der nacherlebten Völkergeschichte, wie sie ihn aus seinem geschichtlich gewordenen Menschsein übermannte. Noch!ehe die Schrift ihm in die Hände fiel, dürstete er nach geschichtlicher!Offenbarung, wie der Hirsch nach dem Springquell dürstet. Geschichtliche Offenbarung: nicht Offenbarung göttlichen Wesens, nicht Offenbarung eines im Jenseits winkenden Lebens mit all seinen metaphysischen Freuden, nicht Offenbarung eines alle Erdenlaster immer von neuem sühnenden und ach! niemals heilenden oder gar beseitigenden Sakraments,!sondern Offenbarung des Weges, den die Menschen auf Erden einschlagen, wie sie ihr Nebeneinander, wie sie ihr Nacheinander, wie sie ihr nationales, wie sie ihr Staatliebes Dasein einrichten sollen, auf daß aus dem Nebeneinander und aus dem Nacheinander und aus dem nationalen und aus dem staatlichen Wesen, geborgen und behütet, gehegt und gepflegt: der glückliche Mensch, das froh! dankbare Geschöpf seines Schöpfers erstehe. Geschichtliche Offenbarung: die da weiß, daß der Einzelmensch als solcher eine völlig inhältleere Abstraktion, daß aber der geschichtliche Einzelmensch ganz und gar verlebendigte Rekapitulation der Geschichte ist, ein unsäglich kompliziertes Produkt des Nacheinander und Nebeneinander, des nationalen und des staatlichen Wesens. Nach einer solchen Offenbarung hatte er 1 gedürstet, einer geschichtlichen Offenbarung, deren Adressat nur die geschichtlich handlungsfähige Persönlichkeit,;nur die!Nation sein konnte. Nun stand er vor der Offenbarung. Nun waren die weissagende Worte der Offenbarung an ׳sein Ohr geklungen und hätten aus ihn einen neuen Menschen gemacht. Denn nicht mehr und nicht weniger als! dies bedeuteten ihm diese Worte: Wie es unabänderliche Naturgesetze gibt, nach denen die physischen Dinge, ein jedes ftr sich und alle!wechselseitig auf einander, wirken, so! gibt es auch unabänderliche Menschengesetze, die den Menschen befehlen, wie ein jeder für sich und alle wechselseitig auf einander zu wirken haben: Gottes ״Mischpatim“ ,und Gottes ״Chukim“,