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Nahalat tsevi · 1932-04-01 · Heft 7-8 (April 1932) · p. Seite 239

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
II (5692) 1931/32
Issue
Heft 7-8 (April 1932)
Date
1932-04-01
Page
Seite 239 (sequence 50)
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239 Der neue Kusari. Von Dr. Isaac Breuer (11. Fortsetzung.) Das also ist, denkt Alfred Roden, die jüdische ״Religion“, das ist Judentum, das heißt Judesein. ״Dein Streben ist gut, aber dein Tun ist nicht gut.“ Was war denn mein Streben gewesen? Ueber mich war die entsetzliche Fülle des Menschenleids und des Menschenelends gekommen, die Sinnlosigkeit des Menschseins, das grausame Schauspiel der Völkergeschichte, die, nach Innen gerichtet, die ungeheuere Mehrzahl der Schwachen einigen wenigen Starken ausliefert, und die, nach Außen, die Nationen immer wieder gegen einander hetzt, daß sie in Strömen von Menschenblut sich gegenseitig vernichten. Aus all diesem Jammer, den nur die Gewohnheit zu verschleiern vermag, wollte ich herauskommen, wollte ein Leben gewinnen, das wirklich lebenswürdig ist und nicht nur dem viehischen Willen zum Leben entspringt. Da mußte ich zu den Ursprüngen meines Seins zurückgreifen und stieß auf mein Judesein. Aus dem Leben selbst sich das Gesetz des Lebens zu nehmen: die Geschichte der Menschen bewies mir, in Jahrtausende langer geschichtlicher Erfahrung, die völlige Unmöglichkeit eines solchen Unterfangens. Könnte Güte des Willens allein die Menschen vom Uebel befreien, von dem großen Uebel, als welches mir das historisch gewordene Menschsein überhaupt erscheint: längst hätte es schon geschehen müssen, denn an Güte des Willens hat es den führenden Menschen oft genug nicht gefehlt. Das Tun der Menschen, unabhängig von ihrem Willen, mußte an sich — unrichtig sein. Irgend etwas in der Geschichte der Menschen konnte nicht stimmen; ׳sie mußten einen Weg eingeschlagen haben, der ein Irrweg ist und den Saldo des Lebens stets passiv macht. Kann das Judentum mir den richtigen Weg weisen? Besitzt es eine ״Offenbarung“, die mich lehrt, wie ich ״richtig“ zu leben habe, besitzt es ein Gesetz des Lebens, das nicht selbst dem Leben entnommen ist, das ich vielmehr ins Leben hinausfcutragen, dem ich vielmehr das Leben zu unterwerfen habe, damit es ״gesetzmäßig“, damit es ״richtig“ ist? Ein Gesetz, das nicht selbst wiederum dem Leben entstammt, kann nur durch Offenbarung zu uns gelangt sein. Hat das Judentum eine solche Offenbarung?

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