Mannheim
Compact Memory

Nahalat tsevi · 1932-04-01 · Heft 7-8 (April 1932) · p. Seite 237

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
II (5692) 1931/32
Issue
Heft 7-8 (April 1932)
Date
1932-04-01
Page
Seite 237 (sequence 48)
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2551369-2551378-2551384--0727-2552224
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

237 perlich in der Erscheinung, die ihm Hüftschmerz und Hinken verursacht. S0׳ haben wir vielleicht die Erklärung des Rabbi Jomtob ben Abraham und des Maimonides aufzufassen, die selbst in körperlich so folgenschweren Visionen wie der des Jakob am Jabbok eine Art wenngleich minderer Prophetie sahen. Weshalb aber nur gerade die Hüfte der Ort dieses Schmerzes gewesen sein mag, das wollen wir an der Hand einer Grundlehre der neuesten Psychologie erörtern, die zugleich eine solche des symbolischen Systems unseres Meisters ist: Die Seele formt ihre Bilder nicht nach philologischen, sondern nach ebenso streng gegliederten akustischen Prinzipien, nach den strengen Gesetzen des Anklangs. Kranefeldt 1.c. Seite 33 ff. erwähnt den Freudschen Schulfall: Eine Frau klagt in vorgerückten Jahren über Schmerzen auf der vorderen rechten Hüftseite. Körperlich ist kein Anlaß zu entdecken. Sie enthüllt schließlich eine verdrängte Erinnerung an die Jugend, als sie noch ein ideales Lebensziel kannte, nämlich die Pflege ihres fußkranken Vaters. Die schmerzende Stelle ist die, auf der beim Verbinden immer der Fuß des Vaters geruht hatte. So ergeht es Menschen, die vorwiegend in körperlichen und anschaulichen Bildern denken. Träume von Intelligenten und ihre Deutung belehren uns darüber, daß im Seelenleben solcher Mensehen das Traumbild des gehenden Fußes auch einen erhofften glücklichen ״Fortgang“ des erwerblichen oder familiären Lebens und das eines lahmen Fußes das Gegenteil, nämlich Stömngen dieses Fortgangs bedeuten kann, die man fürchtet. Stellen wir uns nun Jakob als einen Menschen vor, der in heroischer Ganzheit sein Tun und Denken dem Willen Gottes, dem vorsinaitischen, in ihm verkörperten Gottesworte eingeordnet hat und infolge dieser Einordnung die Geschichte seiner Väter und seiner Nachfahren als einen ״Gang“ zu grader und voller Reifung begriffen hat, — und stellen wir uns vor, was er im Augenblick vor dem Wiedersehen mit dem ganz aus seinem Geistesbereich entlassenen Bruder empfinden muß, — dann kann in uns selber ein lähmender Schlag spürbar werden, wie ihn noch jeder jüdische Vater oder Bruder spürt, noch heute, wenn ר״ל er ohne bestimmte Nachricht zu ahnen heginnt, welchen Abweg sein Sohn oder Bruder eingebogen. Oder ist uns auch das unvorstellbar geworden? Verdichtet sich ein solches Bild zu einer veritablen Engelserscheinung, so ist es nicht möglich, sie fahren zu lassen, bis es seinen Segen ge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.