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Nahalat tsevi · 1932-04-01 · Heft 7-8 (April 1932) · p. Seite 225

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
II (5692) 1931/32
Issue
Heft 7-8 (April 1932)
Date
1932-04-01
Page
Seite 225 (sequence 36)
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22$ prägte sich in literarischen Erzeugnissen aus, die niemals allgemeines jüdisches Volkseigentum werden sollten. Gleichwohl war Breslau für die Thora in Deutschland verhängnisvoller als Hamburg, denn Breslau hat sich nicht darauf beschränkt, dem Judentum einiges wegzunehmen und anderes einzufügen, es hat vielmehr eine grundstürzende Aenderung des jüdischen Denkens und Forschens vorgenommen. Es hat dieses Neue in bewußtem Gegensatz zur Vergangenheit stolz ״die Wissenschaft des Judentums“ genannt. Eben dadurch aber hat Breslau das allmähliche Schwinden der wahren jüdischen Wissenschaft eingeleitet und den allmählichen Untergang der überlieferten Methode des jüdischen Denkens und Forschens der Thora als einer vom Sinai tradierten Wissenschaft vorbereitet. Die Orgel im Hamburger Tempel, so unzulässig sie auch war, erklang, immerhin zu Ehren Gottes, dessen Thora die Schöpfer dieses Tempels nicht Umstürzen, sondern gerade im Gegenteil, in einer neuen Welt durch neue Mittel zu befestigen Vorgaben. (Was aber die Breslauer Schule (Frankel und Graetz) tat: die kritisch-wissenschaftliche Profanisierung der mündliehen Lehre, das Hineintragen des modernen Gegensatzes zwischen Orthodoxie und Reform in die Lehrhäuser eines Schamai und Hillel — das alles lief auf eine Entthronung Gottes aus dem Tempel der jüdischen Wissenschaft hinaus, auf eine Verweltlichung des Judentums — und darum letzten Endes auf die Aushöhlung der Grundlagen des jüdischen Lebens. Wie hat nun die Orthodoxie das Breslauer Seminar aufgenommen? Der Hamburger Tempel hatte den flammenden Protest der Weltorthodoxie hervorgerufen. Als die viel geflährlichere Breslauer Schöpfung ins Leben trat, wurde sie selbst in manchen orthodoxen Kreisen mit warmherziger Begeisterung empfangen. Nur eine Stimme wagte es, laut und schrill auf die Gefahren hinzuweisen, die von Breslau dem Judentum drohten: Rabbiner Samson Raphael Hirsch זצ״ל. Die öffentliche Meinung der Orthodoxie wurde erst später stutzig, als die ersten Früchte des Breslauer Geistes in dem neuen Rabbinen-Typus zutage traten, der sich bald allenthalten in den Großgemeinden breit zu machen begann. Man versuchte, Lehre mit Leben auszugleichen, Kompromisse zu schließen. Es erwachte der Geist, der im Din, in dem, was religionsgesetzlich festgelegt ist, nichts Festes erblickte, sondern etwas Weiches, woraus sich alles Mögliche formen läßt, was

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