Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 7-8 (April 1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- Seite 224 (sequence 35)
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224 Jahrhundert die einzige gemeinsame Aktion der gesamten Weltorthodoxie geblieben. Unserer Gegenwart blieb es vorbehalten, nachträglich das zu schaffen, was damals versäumt wurde. Es ist die geschichtliche Aufgabe der deutsehen Aguda, die Herrschaft der Thora, die vor hundert Jahren in Deutschland untergraben wurde, wiederherzustellen, indem sie den mißverständlichen Ausdruck ״Orthodoxes Judentum“ durch den umfassenden Begriff der Agudas Jisroel verdrängt und durchSchaffung einer thoratreuen Einheitsfront den Schutz der Thora in Deutschland zu einem Anliegen des organisierten Klal Jisroel erhebt. II. DAS BRESLAUER RABBINER-SEMINAR. So verhängnisvoll die Eröffnung des Hamburger Tempels zu Beginn des vorigen Jahrhunderts war, so war doch die Eröffnung des Breslauer Seminars in der Mitte des vorigen Jahrhunderts noch viel verhängnisvoller. Die Gegner der jüdisehen ״Rechtgläubigkeit“ empfanden es instinktiv, daß mit der Assimilation der Synagoge an die christliche Umwelt im Grunde genommen noch sehr wenig getan; war, um den damit eingeleiteten Prozeß der Zersetzung des jüdischen Bewußtseins zu einem vollen Erfolge zu führen. Es war doch immerhin noch möglich, daß der gesunde jüdische Volksinstinkt früher oder später diesen gewaltsamen operativen Eingriff in den traditionellen Gottesdienst als eine künstliche Angleichung an Widerstrebendes empfinden und schließlich ablehnen werde. Daher ging man dazu über, die Keime der Zersetzung an die Wurzeln des jüdischen Bewußtseins zu legen. Auf die Assimilation der Synagoge folgte die Assimilation des Beth Hamidrosch. An die Stelle von Talmud Thora trat ״die Wissenschaft des Judentums“. Der Hamburger Tempel hat das Judentum verkirchlicht, das Breslauer Seminar hat es verweltlicht. Was die Frankel und Graetz aus dem Judentum gemacht haben, das trat freilieh nach außen hin nicht so aufdringlich ׳ in Erscheinung, wie das Zerrbild des jüdischen Gebetes im Hamburger Tempel, es spielte sich in den stillen Räumen des Lehrhauses ab und