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Nahalat tsevi · 1932-04-01 · Heft 7-8 (April 1932) · p. Seite 223

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
II (5692) 1931/32
Issue
Heft 7-8 (April 1932)
Date
1932-04-01
Page
Seite 223 (sequence 34)
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223 größten Katastrophen der jüdischen Geschichte einsehen müssen, unter deren Folgeerscheinungen wir noch heute zu leiden haben. Denn nun wurde die Assimilation, die seit Mendelssohn folgerichtig aus dem Judentum herausgeführt hatte, im Judentum selbst verankert. Was ursprünglich sich selbst durchaus richtig als Nichtjudentum empfand, ging nun dazu über, sich als eine gleichberechtigte Richtung im Judentum zu etablieren und auch bei der Orthodoxie um Anerkennung und (was ja dasselbe ist) Gleichwertigkeit zu werben. Wie hat nun vor etwa 110 Jahren die Orthodoxie auf die Entstehung des liberalen Kultus reagiert? Am Jaum Hakipurim des Jahres 5470 (1818) war es, als zum ersten Male im Hamburger Tempel die Tefilo mit Orgelbegleitung von• statten ging mit dem ganzen Drum und Dran einer richtigen Reiformliturgie, 31s da sind: Verstümmelung der Gebete, gemischter Chor und dergl. Die Hamburger Dajonim wandten sich an sämtliche großen Rabbinen in Deutschland, Polen, Frankreich, Italien, Böhmen, Mähren und Ungarn und forderten sie auf, über den neuen Tempel ihr Urteil abzugeben und siehe da — obwohl damals eine programmatische und prinzipielle Ablehnung der Grundlagen des Thorajudentums noch nicht vorlag, ja im Gegenteil, die Schöpfer des damaligen Hamburger Tempels — im Gegensatz zu den Schöpfern des heutigen, vor einem Jahre gebauten — sich bemühten, den Nachweis zu erbringen, daß sie durchaus כדת וכדין gehandelt hätten, so erhob sich die gesamte Orthodoxie wie ein Mann, um sich gegen den Hamburger Tempel als ein unerhörtes Attentat gegen תורה und יראה zu wenden. Damals,injenen Zeiten, als das Hamburger Attentat in den gesetzestreuen Kreisen der ganzen Welt einen Schrei der Entrüstung auslöste, hätte die Agudas Jisroel gegründet werden sollen. Indessen hoffte man damals noch im Stillen, daß das entstandene neue Judentum an seiner innern Hohlheit selbst zugrunde gehen würde. Man ahnte nicht, daß dem neuen Geiste, der sich zum ersten Male im Hamburger Tempel verkörperte, ein Siegeszug durch die großen jüdischen Gemeinden Deutschlands, Westeuropas und Amerikas beschieden war. Daher ließ man es bei einem Proteste bewenden, ohne hieraus die Konsequenzen der Tat zu ziehen, und so ist dieser Protest ein ganzes

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