Mannheim
Compact Memory

Nahalat tsevi · 1932-04-01 · Heft 7-8 (April 1932) · p. Seite 198

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
II (5692) 1931/32
Issue
Heft 7-8 (April 1932)
Date
1932-04-01
Page
Seite 198 (sequence 9)
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2551369-2551378-2551384--0688-2552185
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

108 erzielen? ,Was besagt denn der Cherem? Wendet er sich etwa gegen die ״Bildung“ als solche? Verbietet er etwa die ״Bildung“ an sich? Haben nicht gerade mit diesem Cherem unsere heimgegangenen großen Lehrer, die man leichtfertig zu verlästern wagt, sich in ihrer klugen Vorsicht, in ihrer weisen Zurückhaltung, ihrer maßvollen Selbstbeschränkung als wahre und echte Führer und Väter unseres Volkes erwiesen? Nicht öffentlich, nicht allgemein, nicht wahllos soll die ״Bildüng“ hier in Jeruscholajim freigegeben werden. Aber je zu zwei und zwei können unsere Schüler den Weg zu ihr beschreiten. Das mag vielleicht etwas kostspieliger sein. Aber täte die (Gola (nicht besser daran, statt gegen unsere heimgegangenen großen Lehrer Sturm zu laufen, lieber die Mittel zur Verfügung zu stellen, daß man, auch mit diesem Cherem, alles erreiche, was die Thora gestattet und die Zeit erheischt? Wer guten Willens ist, kann auch mit diesem Cherem auskommen. Ich weiß, daß es junge Menschen gibt, also geartet, daß es heilige Pflicht wäre, ihnen die ״Bildung“ zugänglich zu machen. Und was Frankfurt betrifft: mein sehnlicher Wunsch ist es, es möchten sich!zehn Frankfurter Familien, im Geist von Rabbiner Hirsch erzogen, vor allem mit ihren Frauen, den edlen, frommen Frauen, wie das Deutschland Rabbiner Hirschs sie hat, hier in Jeruscholajim ansiedeln: ein wahrer Segen wäre es für die Heilige Stadt, und der Cherem würde sie nicht hindern, ihre Kinder nach der Weise Rabbiner Hirschs zu erziehen. Aber hat denn die ״Bildung“ nicht ihre großen Gefahren? Hat Rabbiner Hirsch das je verkannt? Ist er nicht unerläßlich, daß der Cherem bleibt, wie ein Warnungssignal vor drohender Gefahr, wie ein Zaun, den Weg zu kennzeichnen, der, rein und entsteint, langsam und vorsichtig das Alte zum Neuen leitet, im Neuen das Alte schützt ünd erhält? Ich — ich soll den Cherem aufheben? An diesem Tisch1 hier ist er geschrieben worden, ich war dabei, der Kleinste der Kleinen gegenüber den Riesen der Thora. Ich mich gegen unsere heimgegangenen großen Lehrer empören? Ich weiß, welch unbegrenztes Vertrauen gerade Rabbiner Hirsch zum Worte der Weisen unseres Volkes :hegte. Er wäre der Erste, frnir beizupflichten. — Also sprach Oberrabbiner Sonnenfeld zu mir vor nunmehr sechs Jahren. Als ich aus seinem Zimmer und ins Freie trat, lag der zauberische Glanz eines Mondes, wie ihn nur der Himmel unseres Landes hat, über den Gräbern unserer Großen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.