Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 7-8 (April 1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- Seite 197 (sequence 8)
- Belongs to
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Gedächtnis noch beachtliche Brocken der lateinischen Sprache bewahrte.) Ich denke vielmehr an seine (ganz aus der Thora gewonnene!Weltaufgeschlossenheit, an seine ungemeine Fähigkeit, sich in Welt und Menschen einzufühlen, an seine Kraft zur philosophischen Synthese, an seine Enthaltsamkeit, von Dingen zu sprechen, die er nicht genauer kannte, an seine ganze, von ihm selber gestaltete Persönlichkeit. Man kann der Thora nicht Weltgeltung zuschreiben, ohne die Welt in sie einzubeziehen. Man kann nicht ganz in der Geschichte leben, ohne das Ferment der Geschichte an sich selbst zu erfahren. Ich habe von mir aus nicht gewagt, ihm gegenüber die Sprache auf den Cherem zu bringen. Er begann aus freien Stücken davon. Ich sehe ihn vor mir, wie er, mit seiner tiefen, leicht heiseren Stimme, mir zunächst das Bild entwickelt, das er von — Rabbiner Hirsch im Herzen trägt. Es ist der Mann der unbegrenzten Emunah, der Chassid in jenem Sinne, wie es uns Rabbiner Raphael Breuer in seiner letzten Rede dargelegt, zu dem er sich zunächst — der Chassid zum Chassid — rückhaltlos bekennt. Dann führt er fort, und seine Worte haben sich mir unauslöschlich eingeprägt: Ihr Großvater hat in Frankfurt kaum mehr etwas zu retten, fast nichts zu erhalten vorgefunden. Beinahe ganz von vorn mußte er anfangen, und wie er das getan hat, wird jedermann mit höchster Bewunderung erfüllen. Er hat damit ein Beispiel, ein Vorbild ohnegleichen für ganz Jissrael gegeben. Ich aber muß mich fragen, was hätte er wohl getan, wenn sein Wirkungsort — Jeruscholajim gewesen wäre. Sie haben es doch jetzt selbst gesehen und erfahren: noch ist Jeruscholajim die Stadt voll Thbragelehrter, wie keine zweite auf der Welt; noch hat Jeruscholajim eine vielköpfige Jugend, die in Reinheit und Gottesfurcht auf den Knien der Thora erzogen wird; die kein anderes Lebensziel kennt, als Thora und Dienst für Gott; die bereit ist, unsägliche Entbehrungen auf sich zu nehmen, um ganz innerhalb der vier Ellen der Halacha zu verbleiben. In Jeruscholajim haben wir noch viel zu riskieren. Glauben Sie wirklich, daß hier in Jeruscholajim Rabbiner Hirsch hingegangen wäre und hätte die wohlbehüteten Tore der Lehrhäuser weit aufgerissen, damit unsere ganze Jugend, ohne jede individuelle Auslese, ohne Maßnahmen behutsamster Vorsicht, sich in das Reich weltlichen Wissens stürze, auch auf die Gefahr hin, daß viele straucheln, daß Jeruscholajim aufhören könnte, imstande zu sein, Thbragrößen zu