Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 7-8 (April 1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- Seite 195 (sequence 6)
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195 wenig Golussjude wie — Rabbiner Hirsch. Hierin liegt das Geheimnis ihrer Beziehungen. Aus dem Kommentar Rabbiner Hirschs sprach Rabbiner Sonnenfeld ein Geist an, der dem seinen durchaus verwandt war; ein Geist, der den Schleier des Goluss zerriß und sich ganz der blanken Herrlichkeit der Gottesnation, der menschheitiichen Größe des Gottesstaates hingab; ein Geist, der, über die Hemmungen des Goluss hinweg, der Thora noch im währenden Goluss das ganze flutende Leben der Nation als Herrscherin zu Füßen legen wollte und zur siegenden Kraft der Thora unermeßliches Vertrauen hegte; ein Geist, der in den Mittelpunkt seines ganzen Werkes in bewußtem Aufbau unserer nationalen Vergangenheit und in bewußter Ausschau in unsere nationale Zukunft die Lehre von den — Opfern und die Lehre von unserem — Heiligtum stellte, zu deren Trümmerstätte Rabbiner Sonnenfelds Auge, Tag für Tag, in liebender Sehnsucht schaute, bis es sich schloß, um sich dem unzerstörbaren, dem ewigen Jeruscholajim zu öffnen. f 3. Charakteristisch für die Forschungsweise Rabbiner Hirschs ist das Streben, auf Grund einer umfassenden Kenntnis der positiven Einzelheiten des gesetzlichen Systems der Thora zum Inbegriff des Ganzen, zu seinem Sinnzusammenhang vorzustoßen, ohne!seine absolute, nur auf dem Willen Giottes ruhende Verpflichtungskraft anzutasten und ohne den hypothetischen Charakter des Ergebnisses zu verkennen, das im günstigsten Falle nur ein Teilergebnis sein kann. Es ist nicht die Frage nach dem Grund, sondern die Frage nach dem Sinn; die Frage danach, was Gott und seine Thlora uns in dieser Welt und für diese Welt zu sagen haben. In dieser Fragestellüng, und nur in ihr, liegt die so oft mißverstandene Weltbejahüng Rabbiner Hirschs begründet. Beziehungslosigkeit der Thora zur Welt schien ihm Verzicht der Thora auf Weltgeltung. Das allzu lange dauernde Goluss hat uns immer wieder die Gefahr heraufbeschworen, daß wir den lebendigen Zusammenhang zwischen Thora und Welt einbüßten, weil uns die Welt, die für den Gottesstaat keinen Raum hatte, unwesentlich, ja!bedeutungslos wurde. Für Rabbiner Hirsch aber, ganz und gar in unserer nationalen Vergangenheit und in unserer nationalen Zukunft wurzelnd, war die Welt seiner Gegenwart Ausfluß der Vergangenheit und Zufluß zur Zukunft, ünd als