Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 7-8 (April 1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- Seite 194 (sequence 5)
- Belongs to
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194 war jhm so gegenwärtig, daß er ihn in freien Unterhaltungen völlig ungezwungen einschlägig zu zitieren vermochte. Im Wartezimmer des bekannten Arztes Dr. Wallach in Jeruscholajim hatte er zum ersten Male Teile davon gelesen und in sich aufgenommen. Das Verständnis der Sprache des Kommentars bereitete ihm, im Gegensatz zu manchen Kreisen unserer deutsdi-jüdischen Jugend, keinerlei Schwierigkeit. Der Inhalt des Kommentars zog ihn mächtig an. In unvergeßlichen Stunden, die ich bei ihm verbringen durfte, habe ich1 'die geheim,e Ursache dieser Anziehungskraft eingeseh'en. Am Tage, da ich ihn zum ersten Male sprach, hatten sich, wie er mir selber mitteilte, gerade fünfzig Jahre vollendet, seit er in unser Land gezogen war. Nicht eine Stunde hat er es je verlassen; auch nicht, als Krieg und Hungersnot den Aufenthalt mit Lebensgefahr verband. In diesem langen Zeitraum hat er den unmittelbaren Anschluß an die Geschichte unseres Volkes gefunden, die sich in unserem Lande in ferner Vergangenheit abgespielt hatte. Er redete von unseren Königen, als hätte er sie alle erlebt. Ihm waren unsere Stammväter nahe, als hatten sie ihn sterbend gesegnet. Vom Fenster seiner Synagoge schaute er zum Berge unseres Heiligtums, und am Morgen und zwisehen den Abenden war seine schöpferische Seele den täglichen Opfern des versunkenen und des auf ersteh enden Einst hingegeben. Ihm war das Goluss wirklich nur fast traumhafte Episode zwischen Einst und Einst, und wie er buchstäblich in jedem Augenblick das Kommen unseres Gesalbten erharrte, so hatte für sein Innenleben die Thora längst ihre über das Individuelle :hinauslangende Totalität, ihre ewig sieghafte, Staat und Gesellschaft aufbauende, Welt aufbauende und Welt erhaltende Aktualität gewonnen. So unendlich ihn der Traum des Goluss quälte, so hatte er dennoch, kraft des Auftribs, den;unser Land ihm zu geben vermochte, mit ungeheuerem Seelenschwung die Hemmungen des Goluss innerlich überwunden und schaute die Thora unseres Gottes und den Thora- Staat unseres Gottes, Vergangenheit und Zukunft verbindend, in ihrer menschheitlichen Bedeutung. Der hinreißende Eindruck, den jeder von ihm empfing, der das köstliche Glück hätte, ihm näher zu kommen, beruhte auf dem Gefühl, daß ihn ein Hauch unserer großen Volksvergangenheit, ein Hauch unserer großen Volkszukunft umwehte, und daß aus ihm die lebendig gewordene jüdisch-nationale Tradition sprach. Er war im! Grunde so