Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 5-6 (März 1932)
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 184 (sequence 46)
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164 sich greift? Bilden denn diese Worte keinen objektiven Tatbestand, (über den kein Jude und kein Nichtjude hinwegkommen kann? Wie konnten denn die Zionistenführer auch nur einen Augenblick, angesichts dieser Worte, daran denken, die Sabbathöde des Landes 'und die Sabbathöde des Volkes zu bannen, sie, die Gottes Staatsgesetze verachten und deren Seele Gottes Individualgesetze verwirft? Erlebnis? Ohne Zweifel: es war ein Erlebnis! Was aber war an diesem Erlebnis subjektiv, und was war daran objektiv? Dies war die entscheidende Frage.— Wieder griff Alfred Roden zur Schrift und las sich die Worte der .Weissagung Punkt für Punkt voir. Er war nunmehr dabei ganz ruhig, völlig nüchtern, bew ußt kritisch. ״Ich gebe eure Städte der Zertrümmerung hin und lasse eure Heiligtümer veröden.“ Kein Beweis. Vielleicht sind diese Sätze zu einer Zeit geschrieben, da ihr Inhalt bereits Wirklichkeit war. — ״Ich mache dann zur Oede — Ich! — das Land, und es veröden darauf eure Feinde, die!darin sich niederlassen.“ Schon seltsamer. Schon merkwürdiger. Die Oede des Landes wird als göttliche Tat gekennzeichnet ״Ich!“ —, und es wird verkündet, daß auch den Feinden das Land seine frühere Blüte ■nicht gönnen werde. Jedenfalls auffallend, daß die dauernde Oede des Landes, genau der Weissagung entsprechend, eingetreten ist. — ״Euch aber zerstreue ich unter die Völker —.“ Hier lag der Schwerpunkt. Darüber kann man!wirklich nicht hinweg. Der nüchternste, der religionsfeindlichste, der ungläubigste, der wissenschaftlichste Verstandesmensch mußte hier, bei völliger Ausschaltung aller Gefühlsmomente, unbedingt stutzig werden. War es wohl denkbar, daß eine Menschenzunge diese drei hebräischen Worte hatte formen ׳können? Reichte Menschenphantasie aus, um das ungeheure Schicksal zu malen, das in ihrer lapidaren Kürze beschlossen ist? Der ewig wandernde Jude: diese völlig einmalige Erscheinung ■in der ganzen Menschengeschichte, selber schon beinahe hinreichende Legitimation zu einem, alle Völkergeschichte durchkreuzenden, Aufsehen erregenden Volkseigendasein: der׳ewig wandernde Jude, an sich schon unheimliches Rätsel: hier kündigt ihn ״jemand“ an, und zwar nicht in Andeutungen und!nicht in Allegorien und nicht in mehrdeutigen Symbolen, sondern ״jemand“ spricht