Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 5-6 (März 1932)
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 161 (sequence 23)
- Belongs to
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161 seiner Zeit gänzlich unbekannt war, zur Begründung der Qebote herangezogen, so wäre die nichtjüdische Welt stutzig und mißtrauisch geworden. Rein und ohne jegliche Umdeutung sollten die Bibelsätze erläutert und begründet werden, damit die Welt erkenne, daß göttlicher Geist aus den Gesetzen spricht und daß Gotteserkenntnis ihr höchstes Ziel und Menschenbeglückung ihr nächster Zweck ist. Ich gebe zu, daß dies bloß eine Hypothese ist, aber oftmals ist eine brauchbare Hypothese von größerem Nutzen und Wert als scheinbar begründete Theorien, die sich über kurz oder lang als unbegründet und unbrauchbar erweisen. Die Persönlichkeit des Rambam ist jedenfalls dem jüdisehen Volke kein Problem geblieben. So einmütig auch seine טעמי המצות von dem unfehlbaren Massengefühl des Volkes abgelehnt werden, so lebt er doch als eine der größten und heiligsten Persönlichkeiten im liebenden Gedächtnis der jüdischen Nachwelt. Und diese verehrt gleichmäßig den großen Gesetzeslehrer, den ״großen Adler“, der hoch oben in den Sphären jüdischer Gesetzeskunde mit den ׳כנפי רוח den Flügeln seines mächtigen Geistes schwebt, wie auch׳ den tiefen Forscher, der ־tief bis auf den Meeresgrund philosophischer Erkenntnis hinabsteigt und kostbare Perlen reinster Gotteserkenntnis emporholt. Für die ganze jüdische Welt ist Rambam eine einheitliqhe, große, heilige jüdische Persönlichkeit, eine von denen, die נכנסו לפרדס בשלום ויצאו בשלום. Es ist Grätz und seinen Genossen nicht gelungen, diese hehre Lichtgestalt in den Augen des Volkes zu verdunkeln, und daß ihnen dies nicht gelungen ist, ist im wesentlichen ein Verdienst S. R. *) Die obigen Ausführungen beziehen sieh nur auf die zitierte Stelle der ״Neunzehn Briefe“. Über das Verhältnis des Maimonides zu den Vertretern des sogenannten ״Fortschritts“ hat sich Rabbiner Hirsch זציל mit nicht mißzuverstehender Deutlichkeit und Klarheit in seiner Broschüre: ״Die Religion im Bunde mit dem Fortschritt“ (abgedruckt in ״Gesammelten Schriften“ Bd. 3) ausgesprochen. Er weist überzeugend nach, welchen Mißbrauch von seiten der Vertreter der Reform es darstellt, wenn sich diese erdreisteten, Maimonides als Gesinnungsgenossen und Kronzeugen für sich zu reklamieren. Nach mehrseitigen Zitaten, welche das Gegenteil beweisen, schließt er mit den Wörter: ״Da habt ihr euren Maimonides.und wollt nicht sehen, wie er euer Pygmäenjudentum mit seiner Riesenhand zürnend in Scherben trümmert!“ Nur a us diesem Mißbrauch heraus sind die scharfen Sätze aus den ״Neunzehn Briefen“ zu verstehen, zu welchen sich übrigens eine fast wörtliche Parallele in d n Ausführungen des Abrabanell ftb^r den מודה נבוכים findet (zitiert im אור חיים des Rabbi Josef Jabez)•